Punkt. Ende. Aus.

Ich kann es kaum glauben, aber diese Woche am Dienstag, 22. September 2020 um 17.51 Uhr habe ich den letzten Punkt in meiner Dissertation gemacht. Ich habe es bis heute noch nicht wirklich realisiert, dass es nun mit dem Schreiben und Produzieren (fast) zu Ende ist. Ich habe mit meinem Dissertationsprojekt im Juni 2015 begonnen, im Frühjahr 2016 die Videodaten bei Orchestern in Frankreich und Italien gesammelt und – soweit ich mich erinnern kann – ab 2017 intensiv an meiner Dissertation geschrieben mit einer mehr oder weniger größeren Unterbrechung von September 2017 bis Juni 2018, als ich als Französischlehrerin an einer Oberschule in Bozen unterrichtet habe. Und nun habe ich alles soweit fertig geschrieben, dass ich „nur“ noch Überarbeitungen und Korrekturen vornehmen muss und dann die Arbeit abgeben kann. 🙂 Okay, ganz so einfach ist dann auch wieder nicht, denn neben dem Überarbeiten fallen auch noch einige andere Dinge an:

  • Einleitung und Schluss mit meiner Zweitbetreuerin besprechen und evtl. nochmals erweitern und/oder umformulieren,
  • eine Liste an verwendeten Transkriptionskonventionen erstellen,
  • alle in der Arbeit verwendeten Transkripte sammeln und als Anhang einfügen,
  • die Danksagung verfassen,
  • alle bibliographischen Einträge mit dem Literaturverzeichnis abgleichen,
  • ein Gesamt-Dokument erstellen, das auch ein (automatisches) Abbildungs- und Tabellenverzeichnis beinhaltet.

Das heißt, es gibt noch einiges zu tun! Allerdings sind diese To-Do’s intellektuell nicht mehr so anstrengend, denn nun habe ich kein weißes Blatt mehr vor mir (außer bei der Danksagung, obwohl ich da auch schon gesammelt habe und nun alles noch in eine anschauliche Form bringen muss), sondern kann mit dem arbeiten, was ich bereits produziert habe. Deshalb ist dieser vorläufige Abschluss bereits wie ein kleiner Meilenstein, den ich gerne hier auf meinem Blog festhalten möchte. Geplant wäre, die fertige Dissertation Anfang November einzureichen, dann dauert es ca. zwei Monate bis die Gutachten dazu erstellt sind und Anfang nächsten Jahres sollte es dann soweit sein, dass ich meine Arbeit verteidige bzw. in einer halbstündigen Präsentation nochmals vorstelle und damit das Doktorat abschließe.

Und was mache ich dann? 😉 Diese Frage hat mir am Dienstag bereits mein Freund gestellt bzw. meinte er zu mir: „Dann hast du ja nichts mehr zu tun“. Dazu kann ich nur sagen, dass die Arbeit nie/nicht aufhört. Zwar wird viel wegfallen, wenn ich nicht mehr mit meiner Dissertation beschäftigt bin, allerdings sollte das Ziel sein, die Dissertation bei einem Verlag zu veröffentlichen, was ja auch wieder mit Arbeit verbunden ist. Denn das bedeutet, dass ich einen geeigneten Verlag finden, mich um finanzielle Mittel kümmern und höchstwahrscheinlich auch die gesamte Doktorarbeit nochmals umformatieren und an die Vorgaben des Verlags anpassen muss. Außerdem habe ich jetzt für den Herbst auch bereits einige Projekte geplant:

  • die Teilnahme an einer Datensitzung in Innsbruck mit Videodaten aus einem Kammermusikunterricht am Konservatorium Bozen, wo ich auch selbst als Klarinettistin mitwirke,
  • die Vorbereitung von zwei Präsentationen für eine Tagung im Dezember in Zwickau (darüber habe ich bereits im Beitrag „I’m back!“ berichtet),
  • das Verfassen einer Rezension zu einem Buch über Proben-Prozesse,
  • sowie das Schreiben von neuen wissenschaftlichen Aufsätzen und die Überarbeitung von bereits verfassten, kurz vor der Veröffentlichung stehenden Artikeln.

In nächster Zeit wird mir also sicherlich nicht langweilig! Im Gegenteil, ich freue mich auf neue Herausforderungen, neue Themen, neue Aufgaben und auch darauf, meine Dissertation im November als gedrucktes Exemplar (endlich!) in den Händen zu halten. Stay tuned! 🙂

mm

How to: Wie schreibe ich meine Dissertation?

Hier auf meinem Blog habe ich bereits einige Eindrücke davon geteilt, wie das Arbeiten und Schreiben an meiner Doktorarbeit bzw. Dissertation aussieht. Allerdings hat mich noch nie jemand gefragt, was es genau bedeutet, eine Doktorarbeit zu schreiben. Fragen wie Was machst du den ganzen Tag? Wie sehen deine Arbeitsschritte aus? Wie bringst du die Gedanken und Ideen, die in deinem Kopf herumschwirren, zu Blatt? wurden mir bis jetzt noch nicht gestellt. Auf diese Fragen möchte ich in diesem Blogbeitrag eingehen. Das heißt, ich werde meinen Arbeitsalltag in kleine Abschnitte aufbröseln und damit aufzeigen, wie man – oder ich – eine Doktorarbeit schreibt(e).

Mein Tag am PC beginnt eigentlich immer bereits am Tag vorher, wenn ich meine To-Do’s für den nächsten Tag abstecke. Ich führe eine To-Do-Liste, die ich wöchentlich plane und dann Tag für Tag einzelne Aufgaben darin auswähle. Das heißt, am Freitag vorher plane ich meine To-Do’s für die Woche darauf und weiß dann meistens schon, welche Aufgaben ich am Montag abarbeiten werde. Am Montag nach getaner Arbeit überlege ich mir, was ich am Dienstag erledigen kann usw. Für heute habe ich mir beispielsweise vorgenommen, einen neuen Blogbeitrag zu verfassen, an einem Kapitel zur Erforschung der Kommunikation an Orchesterproben weiterzuarbeiten und einen Teil eines Corpus mit italienischen Speisekarten zu erstellen, das Eva Lavric und ich für unseren gemeinsamen Vortrag über Mehrsprachigkeit in Speisekarten im Dezember in Zwickau benötigen (siehe auch den Blogbeitrag I’m back!).

Sobald ich mit dem Schreiben dieses Beitrags hier auf meinem Blog fertig bin, werde ich mich mit dem Kapitel zur Kommunikation in Orchesterproben auseinandersetzen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von bereits bestehenden, relevanten Studien, die sich damit beschäftigen, wie in der Orchesterprobe kommuniziert wird. Für einen solchen Literaturüberblick muss zunächst einmal relevante Literatur gesucht und gesichtet werden. Das heißt, dieser erste Prozess ist mit sehr viel Recherchieren, Lesen, Überfliegen, Markieren und Notizen machen verbunden. Hier entstehen kurze Mini-Rezensionen in Stichworten über die Aufsätze und Studien, die dann in einem zweiten Schritt in eine nachvollziehbare Reihenfolge gebracht und in einem dritten Schritt zu einem Text verarbeitet werden müssen. Den ersten Schritt habe ich bereits letzte Woche abgeschlossen, also geht es heute in die zweite Runde, in der ich meine Stichworte in eine Form bringe und daraus einen Text konzipiere. Mit diesem Kapitel werde ich mich dann nicht nur heute, sondern auch noch in den nächsten Tagen beschäftigen.

Solche Kapitel schreiben sich relativ leicht und schnell, wohingegen Abschnitte, in denen es darum geht, das Videomaterial aus den Orchesterproben zu transkribieren und zu analysieren, (viel) mehr Zeit und Energie in Anspruch nehmen. Wenn ich z.B. einen Videoausschnitt analysieren möchte, dann grenze ich zuallererst ab, wie lang er sein soll bzw. von wo bis wo in der Aufnahme ich transkribieren werde. Mit dem von mir verwendeten Transkriptionsprogramm (ELAN) kann ich solche Segmente auswählen und markieren und dann auch mehrmals abspielen. Habe ich einen Abschnitt ausgewählt, so transkribiere ich in einem ersten Schritt nur das, was gesagt wird – oder im Fall der Orchesterprobe, was der/die Dirigent/in sagt. Dafür stelle ich mir die Geschwindigkeit auf die Hälfte ein und teile den Abschnitt nochmals in kleinere Segmente, die ich mir wiederholt anhöre und dabei das Verbale notiere. Dazu gehören auch gesangliche Passagen, Pausen, Versprecher, hörbares Ein- und Ausatmen, prosodische Hervorhebungen, Akzente sowie Änderungen in der Satzintonation. Also alles, was aus dem Mund des/der Dirigenten/in herauskommt. In einem zweiten Schritt kommt alles Nonverbale dran: Ich vermerke, was der/die Dirigent/in mit seinen/ihren Händen/Armen macht, welche Gesichtsausdrücke er/sie einsetzt, in welche Richtung er/sie sich beispielsweise mit seinem/ihrem Oberkörper dreht, wenn er/sie mit einer bestimmten Instrumentengruppe spricht und wohin er/sie blickt (z.B. auf die Partitur oder zum Orchester). Alle diese Teile gemeinsam bilden dann das Transkript zum Videoausschnitt.

Wenn ich das fertige Transkript vor mir habe, gehe ich es Zeile für Zeile durch und halte in Stichworten meine Beobachtungen fest. Da kann z.B. geschrieben stehen: „Z03: Dirigent lokalisiert Stelle X in der Partitur, blickt auf Partitur und hält rechten Zeigefinger ausgestreckt in die Richtung der Hörner“. Ausgehend von diesen stichwortartigen Feststellungen verfasse ich eine Analyse zum Transkript. Am Ende einer jeden Analyse halte ich die daraus resultierenden, wichtigsten Erkenntnisse fest und setze sie in einen Zusammenhang zum nächsten Beispiel bzw. zum darauffolgenden Transkript inkl. Analyse. Beim nächsten Beispiel gehe ich in derselben Art und Weise vor, bis ich – meiner Ansicht nach – genug Beispiele für ein bestimmtes Phänomen, wie z.B. Lokalisieren in Orchesterproben, gesammelt und analysiert habe.

So kann man sich in etwa vorstellen, was ich den ganzen Tag mache und wie ich meine Gedanken zu Papier bringe. Dabei vergeht die Zeit meistens wie im Flug und mein Arbeitstag ist schneller zu Ende als gedacht. Bevor ich meinen PC wieder ausschalte, aktualisiere ich meine To-Do Liste für den nächsten Tag und plane ein, für welche Aufgaben ich dann Zeit haben werde. Wenn ich untertags auf einen interessanten Aufsatz stoße oder mir einfällt, dass ich diesen oder jenen Artikel vielleicht noch lesen sollte, um evtl. auch einen anderen Blick auf meine Daten und auf meine Analysen zu bekommen, so drucke ich ihn mir aus und nehme ihn mir als Abend- oder Bettlektüre mit nach Hause. Beim Lesen markiere ich mir dann jene Stellen, die ich tags darauf, wenn ich wieder an meiner Dissertation sitze, gegebenenfalls hier und da noch einbauen bzw. einen Verweis dazu herstellen kann. So endet mein Arbeitstag… manchmal nehme ich ein Stück weit meiner Doktorarbeit auch mit bis in die Nacht, wenn ich irgendwann aufwache und mir Ideen in den Kopf schießen, die meistens die besten und kreativsten sind, und die ich mir zum Glück auch in den allermeisten Fällen bis zum nächsten Tag merken kann… 😉

mm

I’m back!

Ich bin zurück! Und das gleich in zweierlei Hinsicht. Ich bin zurück in Salzburg, in meinem Büro und ich bin auch hier auf meinem Blog wieder zurück. In letzter Zeit ist es ein wenig still geworden, was zum einen damit zusammenhängt, dass ich intensiv an meiner Dissertation und auch an anderen Publikationen gearbeitet habe. Zum anderen haben mir die Inspiration und der Schreibfluss gefehlt. Das soll sich nun aber wieder ändern. 🙂 Ich möchte Euch, liebe Leserinnen und Leser, noch gerne auf dem Endspurt bis zur Fertigstellung meiner Dissertation mitnehmen. Ich werde berichten, wie ich vorankomme und auch einige Einblicke in meine Analysen geben. Außerdem werde ich über künftige Projekte, Tagungen usw. – also wie gewohnt – schreiben.

Und mit dem Berichten über das Vorankommen starte ich gleich hier. Ich bin nun bereits am Überarbeiten und Korrigieren von Abschnitten, die dann soweit fertig gestellt sein sollten. Außerdem fehlen mir (nur) noch ein abschließendes Fazit im empirischen Teil sowie zwei theoretische Kapitel, ein Abschnitt zu Corpus und Methode, und nicht zu vergessen (und auch nicht zu unterschätzen!) die Einleitung und der Schluss. Das heißt im Klartext: Ich schreibe noch 6 Abschnitte und bin dann fertig! Ok, ganz so einfach ist es nicht, denn es muss noch Korrektur gelesen und das eine oder andere auch noch mit meinen Betreuer/inn/en besprochen werden. Aber das Licht am Ende des Tunnels wird immer heller und größer und bald sollte ich es erreicht haben!

Das bedeutet allerdings nicht, dass es diesen Blog dann so nicht mehr geben wird, sobald ich meine Dissertation abgegeben habe. Ich habe vor, danach noch hier auf meinem Blog aktiv zu bleiben und mich dann vielleicht auch anderen Themen zu widmen. Mal schauen, was auf mich zukommen wird und was ich hier teilen kann…

Was ich jetzt schon sagen kann, ist, dass ich im Dezember 2020 – falls Corona keinen Strich durch die Rechnung macht – nach Zwickau zu einer Tagung fahren werde, die sich mit Mehrsprachigkeit befasst. Dort werde ich zwei Vorträge halten. Einen Vortrag gemeinsam mit Eva Lavric zur Mehrsprachigkeit in deutschen, italienischen, französischen und spanischen Speisekarten und einen Vortrag über die mehrsprachige Kommunikation im Kammermusik-Unterricht. Dabei arbeite ich mit Videodaten, die ich während eines Kammermusik-Kurses, an dem ich selbst als Musikerin beteiligt war, am Konservatorium Claudio Monteverdi in Bozen aufgenommen habe und die sehr interessantes Material im Hinblick auf Mehrsprachigkeit bieten. Man muss sich das so vorstellen: Eine Professorin mit Erstsprache Italienisch kommuniziert über das geprobte musikalische Werk mit drei Student/inn/en, deren jeweiligen Erstsprachen (Polnisch, Bulgarisch, Deutsch) sich nicht mit ihrer Erstsprache decken. Zwei der drei Studierenden verstehen und sprechen Italienisch, ein Studierender versteht Italienisch zwar, bevorzugt allerdings Englisch als Arbeitssprache. Außerdem versucht die Professorin immer wieder während des Unterrichts ihre Deutschkenntnisse über mich als Muttersprachlerin auf Vordermann zu bringen. Also ein Eldorado für Mehrsprachigkeit! Im September/Oktober werde ich mich mit der Vorbereitung dieses Vortrags und auch mit dem Vortrag gemeinsam mit Eva Lavric auseinandersetzen und dann sicherlich hier auf meinem Blog die einen oder anderen Erkenntnisse teilen.

Bis dahin steht meine Dissertation – und jetzt im Juli auch noch die Überarbeitung eines Artikels – ganz oben auf meiner To-Do-Liste. Im Herbst sollte sie geplant fertig geschrieben sein, sodass dann (nur) noch die Überarbeitung ansteht. Ich hoffe, dass dieser Plan aufgeht, bitte drückt mir die Daumen! 🙂

mm

„Dans le ‚Corona‘ – taaa ta da diii…“

Der Titel dieses Beitrags ist kein Zitat aus einer Orchesterprobe (das Original wäre „dans le choral…“), allerdings spiegelt er genau das wider, wie zurzeit mein Alltag aussieht. Ich befinde mich nun schon seit 10. März coronabedingt im Home Office in Südtirol und beschäftige mich tagein tagaus mit meiner Dissertation – und auch zwangsläufig mit Corona. Diese Zeit und diese Situation haben mich einige Dinge gelehrt, die ich hier nun teilen möchte.

1) Ich kann auch zu Hause produktiv arbeiten.

Bis jetzt ist es mir nie wirklich gelungen, eine produktive Arbeitsweise zu verfolgen, wenn ich zu Hause am PC gesessen habe. Das hängt damit zusammen, dass die Ablenkung hier viel größer ist, wie wenn ich in Salzburg an der Uni in meinem Büro sitze. Damit meine ich, dass mir während des Arbeitens an meiner Diss einfallen kann, was ich hier zu Hause in der Wohnung noch aufräumen oder putzen könnte, oder dass ich, wenn ich müde bin, mich einfach auf die Couch hinlegen und mir mit Fernsehen die Zeit vertreiben kann. Das Schwierige im Home Office ist, Arbeit und Privates zu trennen bzw. sich zuerst mit dem einen und dann mit dem anderen zu beschäftigen und nicht beides gleichzeitig machen zu wollen. Allerdings muss ich sagen, dass ich diesen Spagat nun schon seit über einen Monat gut hin bekomme und sich das auch positiv auf das Fortschreiten meiner Diss auswirkt. Juhuu! 🙂

2) Hamsterkäufe in Supermärkten können sprachwissenschaftlich erklärt werden.

Und zwar durch das sogenannte „Cooperative Principle“, einem Grundsatz von Kommunikation. Wenn die Politik sagt, dass es keine Knappheit an Grundnahrungsmitteln – und auch nicht an Toilettenpapier – geben wird, dann propagiert sie gleichzeitig Hamsterkäufe. Denn das Kooperationsprinzip in der Kommunikation besagt, dass wir immer davon ausgehen, dass etwas, das jemand sagt, für die gegebene Situation irgendwie relevant ist. Dabei handelt es sich um einen Automatismus: Wir suchen einen Sinn für das, was Politiker/innen während dieser Corona-Krise sagen und gehen davon aus, dass sie es nicht „einfach so“ äußern würden. Wir folgern, dass es tatsächlich einen Grund zur Panik geben muss, laufen zum Supermarkt und kaufen die Regale leer. Interessant, oder?

3) Sprachliche Neuerfindungen in Zeiten von Corona.

Schon mal was von Corona-Idioten oder von Corona-Hochzeit gehört? Das sind nur zwei von unzähligen sprachlichen Neuerfindungen, die mit dem Corona-Virus in Zusammenhang stehen. Als Corona-Idioten werden solche Menschen bezeichnet, die in Zusammenhang mit Corona ein unpassendes Verhalten an den Tag legen. Das können z.B. Leute sein, die die Kontakt- oder Ausgangssperre missachten oder auch Politiker/innen, die sich weigern oder geweigert hatten, den Corona-Virus als real zu akzeptieren (ohne hier Namen zu nennen…). Zu einer Corona-Hochzeit kam es in Spanien, wo sich ein Paar auf seinem Balkon getraut hat. Da die eigene Familie coronabedingt nicht anwesend sein konnte, schlüpften die Nachbarn/innen in die Rolle von Hochzeitsgästen und verfolgten die Trauung von ihren Balkonen aus. In diesen Zeiten muss man einfach ein bisschen einfallsreich sein…

4) Das gemeinsame Kochen am Abend ist das Highlight des Tages.

Und zum Schluss noch etwas, das ich nun viel mehr zu schätzen weiß als vor Corona: das gemeinsame Kochen mit meinem Freund am Abend. Dieses Kochen – und natürlich auch das anschließende Essen – stellt das Highlight unseres Tages dar. Dabei sprechen wir über (Corona-)Neuigkeiten, über das (ständige) negative Credo in den hiesigen Nachrichten und freuen uns, wenn Oliver Pocher ein neues Video online gestellt hat, in dem er auf unterhaltsame Art und Weise die Unsinnigkeit von Influencer-Produkten reflektiert (kann man mögen, muss man aber nicht). Man könnte diese Aktivitäten fast schon als Corona-Rituale (neue Wortschöpfung!) bezeichnen, die hoffentlich auch nach Corona noch Teil unseres Alltags sind/sein können… 😉

mm

Die babylonische Orchesterprobe

In meinem heutigen Blog-Beitrag möchte ich ein Video teilen, das Ende Jänner diesen Jahres bei einem Science Slam in der ARGEKultur in Salzburg von mir aufgenommen wurde. Dabei habe ich über mein Dissertationsprojekt geslammt oder genauer gesagt über einen Teil davon, und zwar den mehrsprachigen Charakter von Orchesterproben.

Ich möchte auch nicht vielmehr zu dem Video sagen, denn es spricht für sich selbst. Also: Viel Spaß beim Schauen! 🙂

P.S.: Ich freue mich auf Kommentare und Rückmeldungen zu dem Video, danke!

mm

Rammelstein Maccheroni, Kronplatz Burger, Pommes Fritz – ÖLT in Salzburg

Heute mal wieder ein Blogbeitrag zu einem etwas anderen Thema als Orchesterproben, und zwar zu Eigennamen enthaltende Speisebezeichnungen in Südtiroler Speisekarten.

Am 6. Dezember habe ich auf der ÖLT (Österreichische Linguistiktagung) in Salzburg einen Vortrag in der Sektion Onomastik zu Eigennamen in Speisekarten gehalten und mich dabei dafür interessiert, welche Eigennamen für Speisebezeichnungen verwendet werden und welche Funktionen sie erfüllen.

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Sehr häufig werden Toponyme (Ortsnamen) verwendet, um bestimmte Gerichte zu benennen. Bei solchen Toponymen kann es sich entweder um einen unmittelbaren Ort, um einen weiter entfernten Ort oder um eine Zubereitungsart mit Ortsverweis handeln:

  • Unmittelbarer Ort + Gericht: Rammelstein Maccheroni, Kronplatz Burger, Vinschger Schneemilch, Südtiroler Speckbrettl;
  • Weiter entfernter Ort + Gericht: Nürnberger Rostbratwürstel, Original Münchner Weißwurst, Buffalo Chicken Wings;
  • Gericht + Zubereitungsart mit Ortsverweis: Saltimbocca alla romana, Wienerschnitzel, Bayerische Creme.

Daneben werden Anthroponyme (Personennamen) in Speisebezeichnungen verwendet. Mögliche Kombinationen sind:

  • Gericht + Zubereitungsart mit Verweis auf eine bestimmte Person: Tiroler Speckknödel nach Steffis Art, Almsünden – Hausgemachte Kuchen: Patrizias Tageskuchen;
  • Gericht + Eigenname / Eigenname + Gericht: Pommes Fritz, A.H. (Andreas Hofer) Pfandl, Caesar’s Salad;
  • Gericht + Restaurant / Restaurant + Gericht: Manzo tonnato sichelburg style, Ofenkäse Capriz, Weißes Kreuz Burger;
  • Adjektiv + Eigenname: Hoasse Zenzi, Knuspriger Hons, Frying Nemo;

Die Beispiele zeigen, dass zum einen Wortspiele sehr beliebt sind (z.B. Frying Nemo, Manzo tonnato sichelburg style, Hoasse Zenzi) und, dass zum anderen der Faktor „country/region/place of origin“ eine wichtige Rolle bei der Benennung von Speisen mit Eigennamen spielt (z.B. Südtiroler Speckbrettl, Vinschger Schneemilch). Ich konnte in meinen untersuchten Speisekarten insgesamt 13 Verweise auf Südtirol/Tirol sowie 14 Verweise auf einen in Südtirol befindlichen Ort ermitteln. Durch die Verwendung solcher Toponyme wird eine enge Verbindung mit dem Ort/Land hergestellt. Gleichzeitig wird das Gericht aufgewertet, d.h. mit einem bestimmten Wert an Qualität versehen.

Damit einher gehen auch die Funktionen von Eigennamen enthaltenden Speisebezeichnungen. Es kommt zum Ausdruck von Regionalität im Sinne von ‚Wir hängen an unseren lokalen, traditionellen Gerichten‘ und gleichzeitig zur Vermittlung einer gewissen Modernität, etwa durch den Einsatz von sprachspielerischen Elementen. Außerdem konnte ich feststellen, dass Speisebezeichnungen dialektalisiert werden, z.B. Puschtra Rauchkuchl, Antholza Almfrühstück, Feine Liesl. Solche Dialektalisierungen tragen ebenfalls dazu bei, eine enge Verknüpfung zum eigenen Land, zur eigenen Sprache herzustellen. Das bedeutet auch, dass Speisebezeichnungen, die Eigennamen beinhalten, an Objektivität verlieren, allerdings ebenso an Subjektivität gewinnen.

Soviel zu meinen Ergebnissen. Ich fand es spannend, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und mich ein wenig in die Vorgehensweise und Methodik der Onomastik einzulesen. Ich werde dazu auch noch einen Aufsatz schreiben, der in der Zeitschrift Österreichische Namenforschung veröffentlicht wird. Und wer weiß, vielleicht setze ich mich auch noch mit weiteren Themen aus onomastischer Perspektive auseinander… 🙂

mm

 

Long time no blog?

Ok, ich gebe es zu… seit meinem letzten Blogbeitrag ist ein bisschen viel Zeit vergangen bzw. ist es bereits über einen Monat her, dass ich mich hier zu Wort gemeldet habe. Wie ich aber Anfang September angemerkt habe (siehe A lot of work is going on…), habe ich zurzeit viel um die Ohren: eigene Lehrveranstaltung, Arbeit an Artikeln und an Vorträgen für Tagungen, Arbeit an meiner Diss, Rummel zu Semesterbeginn usw. Kurzum: Es haben sich einige Dinge aufgestaut, die mich daran gehindert haben, einige Zeilen hier auf meinem Blog zu verfassen.

Deshalb möchte ich heute die etwas ruhigeren Minuten nutzen, um über das Thema Motivation zu sprechen. Ich werde öfters mit der Frage konfrontiert: Wie kannst du dich immer wieder – oder immer noch – dazu animieren, an deiner Diss zu schreiben? Häufig auch in Verbindung mit folgenden Kommentaren: „Für mich war bereits das Verfassen meiner Diplomarbeit/Masterarbeit eine Plage!“, „Und dann musst du soviel schreiben!“, „Dafür hätte ich keine Geduld (mehr)!“. Solche Fragen und Kommentare sind durchaus berechtigt, wenn man sich nur die Statistiken ansieht: Viele Dissertanten/innen schreiben ihre Dissertationen nicht zu Ende, benötigen mehr als fünf Jahre dafür, die Quote für einen erfolgreichen Abschluss liegt bei gerademal 25%. Also nicht wirklich berauschend.

Was aber motiviert mich, mich tagein tagaus mit demselben Thema und das nun schon seit Sommer 2015 (siehe Mit Worten und Tönen, mit Händen und Füßen…) zu beschäftigen? Die Antwort ist ganz einfach: Ich liebe es zu forschen. Ich gelange fast jeden Tag zu neuen, aufschlussreichen, interessanten Erkenntnissen in der Analyse meiner Daten, die mich antreiben, noch tiefer zu gehen, ein weiteres Mal in diesem und jenem Artikel dieses oder jenes nachzulesen und mit meinen eigenen Daten zu vergleichen, kleinste Details in meinem Datenmaterial zu sondieren und in Relation zum großen Ganzen zu setzen, und so weiter und so fort.

Und als weitere Antwort: Das Thema wird nie langweilig. Denn zum einen agieren die Dirigenten/innen in meinem Corpus – auch wenn sie grundsätzlich alle dasselbe machen – so unterschiedlich, dass diese Unterschiede alleine bereits in einer eigenen Arbeit behandelt werden könnten. Mir geht es aber weniger um Unterschiede, als vielmehr darum, meinen Daten eine gewisse Struktur zu verschaffen und nach für die Orchesterprobe charakteristischen Handlungen und Praktiken zu ordnen/zu suchen.

Und das ist alles andere als langweilig! Allerdings…, wenn mir dann doch das eine oder andere Mal langweilig wird oder wenn ich gerade eine Schreibblockade habe, dann habe ich einen entscheidenden Vorteil: Ich kann mich von der Musik berieseln lassen! 🙂 Mein Corpus besteht ja zum größten Teil aus musikalischen Parts; die Besprechungsphasen, die ich in meiner Diss untersuche, machen im Vergleich dazu nur einen kleinen Teil aus. Das heißt: Ich schalte einfach die Musik ein und genieße die Klänge von Profi-Orchestern, die mich im besten Fall inspirieren und wieder neu motivieren.

Und damit ich nicht die Einzige bin, die von den Melodien profitieren kann, hier ein kleiner Auszug:

mm

A lot of work is going on…

Heute gibt es mal wieder ein kleines Update zu dem, was zur Zeit bei mir ansteht, und zwar hinsichtlich Tagungen, Workshops/Datensitzungen, Lehre an der Uni sowie Artikel/Aufsätze. Und nicht zu vergessen: Wie geht es mit meiner Dissertation voran?

Tagungen. Im September fahre ich gleich auf zwei Tagungen in derselben Woche. Und zwar vom 17.-19. September auf die GAL in Halle, wo ich an der Postersession und dem Posterslam teilnehmen werde, und am 20. September werde ich in Innsbruck einen Vortrag auf der Tagung zu Gastronomie und Önologie halten. Bei der Postersession in Halle werde ich ein Poster präsentieren, das instruktive Sequenzen in Orchesterproben behandelt. Bei meinem Vortrag in Innsbruck werde ich dagegen über ein Thema sprechen, das mich persönlich interessiert, das aber in keinem Zusammenhang mit meiner Dissertation steht: Es geht um (verwendete) Sprachen in Südtiroler Speisekarten (siehe auch meinen letzten Blogbeitrag Fehleranalyse in Südtiroler Speisekarten). Das Corpus, das ich für diese Präsentation verwende – Speisekarten von 20 Südtiroler Restaurants -, werde ich auch für eine weitere Tagung nutzen, nämlich für die ÖLT im Dezember, die an der Uni Salzburg stattfindet. Dann werde ich über Eigennamen enthaltende Speisenbezeichnungen, wie etwa Rammelstein Maccheroni, Pizza Tommy, Weisses Kreuz Burger usw. sprechen.

Workshops/Datensitzungen. Ebenfalls im September, genauer gesagt am 30.09., werde ich an einem Datensitzungsvormittag mit und einem Gastvortrag von Arnulf Deppermann an der Uni Innsbruck teilnehmen, aber ohne eigene Daten. Das Thema der Datensitzung ist Kompetenzentwicklung in Lehr-Lern-Kontexten, der Gastvortrag behandelt die Transkription und Analyse von Videodaten sozialer Interaktionen.

Lehre an der Uni. Im kommenden Wintersemester 2019/20 werde ich meine erste Lehrveranstaltung an der Uni Salzburg zum Thema Pragmatik abhalten. Ich habe bereits während meiner Anstellung an der Uni Innsbruck universitäre Lehrerfahrung sammeln können und freue mich nun darauf, auch an der Uni Salzburg im Bereich Lehre tätig sein zu dürfen. Die LV wird sich in einem ersten allgemeinen Teil den Kerngebieten der Pragmatik widmen, wie z.B. Sprechakte, Konversationsmaximen und konversationelle Implikaturen, Deixis und Anapher usw. In einem zweiten spezifischeren Teil werden die Studierenden in die Konversationsanalyse eingeführt und ich werde in diesem Zuge auch über mein Dissertationsprojekt sprechen. Außerdem kommt Daniela Veronesi von der Uni Bozen für einen Gastvortrag nach Salzburg und wird über ihre konversationsanalytisch verankerten Projekte sprechen.

Artikel/Aufsätze. Zurzeit arbeite ich am Aufsatz zu meinem Vortrag über Mehrsprachigkeit (und Multimodalität) in Orchesterproben, den ich auf dem Forum Junge Romanistik im März 2019 an der Uni Innsbruck gehalten habe; dieser Aufsatz wird in einem Sammelband bei AVM Edition publiziert. Außerdem beginne ich mich mit dem Thema  Multimodalität intensiver auseinander zu setzen, und zwar für einen Artikel, der voraussichtlich in der Zeitschrift Multimodal Communication erscheinen soll. Der Artikel zu gesanglichen Demonstrationen als instruktive Praktik in Orchesterproben, von dem ich bereits in anderen Blogbeiträgen berichtet habe, ist fast fertig. Im Oktober steht eine letzte Besprechung an, bevor der Artikel gemeinsam mit Aufsätzen zu instruktiven Praktiken in Theaterproben in einer Schwerpunktausgabe der Online Zeitschrift für Gesprächsforschung veröffentlicht wird. Und nicht zuletzt habe ich vergangene Woche ein erstes Gutachten zu einem Aufsatz über multimodales Erzählen in der Orchesterprobe erhalten. Sobald auch das zweite Gutachten eingelangt ist, werde ich mich an die Überarbeitung des Artikels machen.

Meine Dissertation. Und zu gutem Schluss noch ein Update zum Vorankommen in meiner Dissertation. Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Analyse von Instruktionssequenzen in Orchesterproben, den Theorieteil dazu gibt es bereits. Das Analysekapitel wird wohl noch ein wenig Zeit (ein paar Monate?) in Anspruch nehmen, auch unter Anbetracht der Tatsache, dass ich ab Oktober mit meiner Lehre beschäftigt sein werde und ich die Dissertation wohl (oder übel) ein wenig hinten anstellen muss.

Lange Rede, kurzer Sinn. Wie bereits im Titel dieses Beitrags angekündigt, steht eine Menge Arbeit an bzw. ist bereits viel am Laufen. Ich freue mich auf die kommende Zeit, denn ich werde mich mit neuen Themen beschäftigen, meine Forschung in die Lehre einbinden, dazwischen auch ein wenig reisen und auf Tagungen und Workshops neue Erfahrungen und Erkenntnisse einsammeln…und natürlich auch hier auf meinem Blog darüber berichten. 🙂

mm

Fehleranalyse in Südtiroler Speisekarten

Heute möchte ich mich – aus aktuellem Anlass heraus – einem Thema widmen, das nichts mit Orchesterproben zu tun hat. Und zwar werde ich im September in Innsbruck an einer Tagung zu Terminologie und Diskurs in Gastronomie und Önologie teilnehmen, wo ich einen Vortrag zu Speisekarten in Südtirol halten werde. In dem Vortrag möchte ich herausarbeiten, wie z.B. Schlutzkrapfen, Kaiserschmarrn, Knödel, usw. in verschiedenen Speisekarten angeführt sind (z.B. mit einer Erklärung) und wie die Gerichte in andere Sprachen – allen voran Italienisch und Englisch – übersetzt werden. Außerdem möchte ich untersuchen, ob und wie auch deutsch-dialektale Ausdrücke in den Speisekarten verwendet werden.

Es geht also nicht um Fehler in den Speisekarten, es ist aber trotzdem auffällig, wie viele Fehler in den Speisekarten unterschiedlicher Restaurants, Hotels, Gasthäuser und Almhütten auftauchen. An dieser Stelle möchte ich unterstreichen, dass ich mit diesem Blogbeitrag  niemanden angreifen oder kritisieren möchte, denn Gastronomen/innen sind keine Linguisten/innen und bemühen sich sicherlich sehr um die Gestaltung ihrer Speisekarten. Vielmehr möchte ich auf Fehler aufmerksam machen und vielleicht zur Optimierung der einen oder anderen Speisekarte anregen.

Fangen wir mit kleineren Fehlern an, die auch den größten Teil ausmachen und höchstwahrscheinlich den meisten Gästen gar nicht auffallen. Dazu gehört das Vergessen von Buchstaben: z.B. engl. spinac anstatt spinach, ital. insalata di capuccio anstatt insalata di cappuccio, dt. gehobelte Bergkäse anstatt gehobelter Bergkäse, dt. Mit Nüssen und Sultinen anstatt Mit Nüssen und Sultaninen. Außerdem fällt auf, dass Akzente – vor allem im Italienischen – falsch geschrieben werden: Während im Italienischen bei Wörtern wie tiramisù, ragù oder caffè die Akzente am Ende des Wortes nach unten gehen, sind in mehreren Speisekarten die Akzente nach oben angeführt (tiramisúragúcaffé). Auch wenn die Bezeichnungen eins zu eins ins Deutsche übertragen werden, sollten die Akzente doch dieselben bleiben wie im Italienischen.

Ähnlich verhält es sich mit Ausdrücken, die aus anderen Sprachen, wie dem Französischen, übernommen werden. So findet sich in einer Speisekarte eine sehr interessante Schreibweise von Crème brûlée, und zwar Crém Brülee. Es scheint, als ob der Ausdruck verdeutscht worden ist, ohne Rücksicht auf die französische Schreibweise. Auch die französische Bezeichnung Mousse wird in einer Speisekarte ans Italienische angepasst, indem sie zu moussa mutiert.

Interessant ist außerdem die dreifache Falschschreibung des italienischen Ausdrucks focaccia. In einer Speisekarte wird focaccia im Deutschen zu Rosmarinfoccica, im Italienischen zu Focciaca al rosmarino und im Englischen zu Rosemary foccacia. Als Gast kann man sich auch mal die Frage stellen: Ist das nun dreimal dasselbe oder jedes Mal etwas anderes?

Nicht zuletzt gibt es ausgefallene – und teilweise wahrscheinlich auch Google Translator verschuldete – Übersetzungen von bestimmten Gerichten. Tirtl wird mancherorts im Italienischen mit Ravioli übersetzt, Dreierlei Knödel wird im Englischen zu Tree dumpling („Baumknödel“?), Bergkäse wird ins Englische mit mountain kase überführt. Fehler in der deutschen Bezeichnung machen sich auch in der englischen Übersetzung bemerkbar: Schweinsfilet im Bauspeckmantel (anstatt höchstwahrscheinlich Bauchspeckmantel) wird in der englischen Übersetzung der Speisekarte zu Pork fillet in construction bacon coat. 

Und das Lustigste – als Dessert und mit Dessert – zum Abschluss: In einem Restaurant gibt es als Dessert Panna cotta. Diese Bezeichnung wird im deutschen Teil der Speisekarte angeführt. Man möchte nun annehmen, dass dieser italienische Ausdruck im Italienischen einfach so stehen bleibt, aber was macht das Restaurant? Panna cotta wird im Italienischen zu Bianco mangiare – dem Gast ist die Interpretation dieses Desserts wohl selbst überlassen… 😉

Mit kulinarischen Grüßen, mm

A Simplest Systematics for the plurilingual character of orchestra rehearsals

In einem der letzten Beiträge hier auf meinem Blog habe ich über den ersten big step in meiner Dissertation berichtet, nämlich über die Fertigstellung des Kapitels zur Mehrsprachigkeit (hier der Link zum Blog-Beitrag). Ab dem Zeitpunkt haben sich noch einige Korrekturen und Änderungen ergeben, aus denen resultierend ich eine sog. Simplest Systematics (in Anlehnung an Sacks/Schegloff/Jefferson 1974) für den mehrsprachigen Charakter von Orchesterproben erstellt habe.

Diese Systematik möchte ich hier auf meinem Blog teilen. Es handelt sich also um einen Einblick in meine Dissertation und zeigt, wie Mehrsprachigkeit in den von mir untersuchten Orchesterproben funktioniert:

Systematics ISystematics II

Die Abbildung lässt sich wie folgt interpretieren:

1) Italienisch steht als Fachsprache übergeordnet über dem gesamten Probengeschehen.

2) Eine erste einfache Frage, die gestellt werden muss, ist, ob sich der/die Dirigierende und das Orchester bereits kennen. Falls ja, so können (sprachliche) Lösungen aufbauend auf vorigen Probenerfahrungen herangezogen werden. Falls nein, müssen neue Lösungen gefunden werden.

3) In beiden Fällen spielt jedoch eine Rolle, wie gut der/die Dirigierende die Arbeitssprache des Orchesters beherrscht:

a) Wenn die Arbeitssprache des Orchesters mit der Erstsprache des/der Dirigierenden identisch ist, so stellt diese Sprache die natürlichste, selbstverständlichste für die Probenkommunikation dar. Das heißt auch, dass wenn ein/e italienische/r Dirigent/in mit einem italienischen Orchester Italienisch spricht, dann sollte es dasselbe sein, wie wenn ein/e französische/r Dirigent/in mit einem französischen Orchester Französisch spricht. (Letztere Konstellation kommt im Corpus der vorliegenden Arbeit nicht vor, es kann aber angenommen werden, dass die Sprachwahl und die Kommunikation ähnlich verlaufen.)

b) Der/die Dirigierende beherrscht die Arbeitssprache des Orchesters sehr gut. In diesem Fall geschieht die Sprachwahl auf der Grundlage von Natürlichkeit und einem Entgegenkommen.

c) Der/die Dirigierende hat mangelhafte Kenntnisse in der Arbeitssprache des Orchesters. Er/sie spricht die Sprache aus Entgegenkommen, aber es kann durchaus sein, dass eine andere Sprache natürlicher für ihn/sie wäre.

d) Der/die Dirigent/in kann die Sprache des Orchesters gar nicht. Ist dies der Fall, so wird auf eine andere Sprache (Englisch) als Lingua franca ausgewichen.

4) In den Fällen a), b) und c) ist die Arbeitssprache des Orchesters auch Basissprache in der Probe. Das Gewicht der Arbeitssprache als Basissprache sinkt mit abnehmenden Sprachkenntnissen, gleichzeitig steigt die Tendenz zu Codeswitching und zur Verwendung von anderen Codes, wie Singen, Gestik, Mimik, körperliches Tun. Diese Codes spielen in der Kommunikation in Orchesterproben immer eine Rolle, sie erhalten aber eine größere Bedeutung, umso mangelhafter die Kompetenzen des/der Dirigierenden in der Arbeitssprache sind.

5) Im Fall d) wird Englisch zur Basissprache. Auch hier können Elemente des Codeswitchings und aus anderen Codes mit in die Kommunikation einfließen.

6) Wichtig sind auch die Sprachen im Repertoire des Konzertmeisters, der Gesangssolisten/innen und der Instrumentalsolisten/innen in dyadischen Interaktionssituationen (Dirigent/in – Konzertmeister, Dirigent/in – Solist/in / Solisten/innen), soweit der/die Dirigent/in darüber Bescheid weiß. Für diese Art von Kommunikation wird eine Sprache gewählt, die von den Repertoires auf beiden Seiten abhängig ist. Es kann sich um eine geteilte Erstsprache handeln, oder es kann eine andere Sprache zum Einsatz kommen, die aus Natürlichkeit oder Entgegenkommen gewählt wird. In beiden Fällen handelt es sich um ein participant related Codeswitching.

Soviel also zum mehrsprachigen Charakter von Orchesterproben… 🙂 Eine Frage, die bleibt, ist, ob dieses von mir erarbeitete Schema auch auf andere Orchesterproben übertragbar ist, und zwar in Orchestern mit anderen Arbeitssprachen als Französisch oder Italienisch. Anzunehmen ist es wohl. Um die Frage eindeutig beantworten zu können, wären aber weitere Untersuchungen in anderen Orchesterproben erforderlich…

Und noch ein kleines Zuckerl zum Schluss: Wer mehr zur Mehrsprachigkeit in Orchesterproben lesen möchte, kann das sehr bald in einem von mir erscheinenden Artikel in dem Sammelband „Dynamische Approximationen. Festschriftliches pünklichst zu Eva Lavrics 62,5. Geburtstag“ tun. Der Sammelband wird noch 2019 bei Peter Lang erscheinen, mein Artikel trägt den Titel „‚Wichtig ist, dass die Botschaft hinüberkommt, wie, ist dabei gleichgültig.‘ Mehrsprachigkeit im Vergleich: Orchesterproben vs. Fußballfeld“. In dem Artikel beschreibe ich einige Ausschnitte aus meinem Datencorpus und vergleiche die daraus resultierenden Erkenntnisse mit der Mehrsprachigkeit auf dem Fußballfeld. Hier noch einige weitere Infos für alle Interessierten zum Sammelband:

Cover Lang

Bis zu meinem nächsten Blog-Beitrag,

mm 😉