Do, re, mi, fa, sol, la, si…

…oder der aktuelle Stand der Dinge. In diesem heutigen, etwas anderen Blogbeitrag möchte ich über den aktuellen Stand meiner Dissertation, über Hürden, Denkblockaden und neue Denkwege, über Pläne und Wünsche berichten. Dabei halte ich mich an die italienischen Tonsilben und erzähle, was mich zurzeit in meinem Schreibprozess beschäftigt. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

DO wie doppelt. Ja, ich leiste zurzeit doppelte Arbeit: zum einen arbeite ich fleißig an meiner Dissertation, zum anderen bin ich auch mit dem Schreiben an der Bachelorarbeit für mein Studium (Konzertfach: Klarinette) am Konservatorium Bozen beschäftigt. In meiner Bachelorarbeit untersuche ich das Zusammenspiel zwischen motivischer Arbeit und Dynamik in der Klarinettensonate in f-Moll op. 120/1 von Johannes Brahms. Es ist interessant zu sehen, wie Brahms mit Motiven und Themen umgeht, wie bestimmte Tonfolgen immer wieder im Laufe der Sonate vorkommen und wie die Dynamik dabei unterstützend wirkt. Das hat nichts oder nur wenig mit meiner Dissertation zu tun, in der ich mich momentan mit den Themen Mehrsprachigkeit, Sprachwahl und Codeswitching auseinandersetze. Die Auseinandersetzung mit Brahms‘ Musik und den gattungshistorischen Hintergründen könnte mir aber doch noch für meine Dissertation zu Nutze kommen, denn Brahms kommt als Komponist in meinem Corpus vor, nämlich in Proben des Orchestre de l’Opéra de Rouen. Das Orchester probt das Doppelkonzert a-Moll für Violine, Violoncello und Orchester op. 102, ein sehr schönes Konzert, das sich lohnt, gehört zu werden. 

RE wie Replay. Ich kann jedoch nicht auf Replay drücken, um mir das Konzert von Brahms wiederholt anzuhören, sondern ich drücke in meinen Videos auf Replay, um meine Aufnahmeinventare neu zu ordnen. Nachdem ich meine Aufnahmeinventare zu Beginn nach Videos geordnet hatte, habe ich den Monat Juli damit verbracht, die Inventare nach Schlagwörtern bzw. nach Analyseelementen zu strukturieren. Dafür habe ich zuerst eine Struktur für meine Dissertation angelegt und dann Analysebeispiele systematisch aus meinem Corpus herausgesucht. Diese Beispiele sind nun nach Schlagwörtern sortiert und ich kann je nach Analyseschwerpunkt mit den ausgewählten Videoausschnitten arbeiten. Die neuen Aufnahmeinventare sind so viel übersichtlicher und nützlicher, und auch in meinem Kopf herrscht nun eine bessere Struktur, die mir die Arbeit mit dem Corpus immens erleichtert.

MI wie miteinander. Kooperation ist das Stichwort, wenn es um Wissensbearbeitung und -konstitution in der Orchesterprobe geht. Wie bereits in meinem letzten Blogbeitrag angekündigt, werde ich im September an der GAL-Sektionentagung in Basel teilnehmen und dort über die Gestaltung und Handhabung von Wissen referieren. Dabei kooperieren Dirigent/in und Musiker/innen: der/die Dirigierende vermittelt den Musiker/innen sein/ihr Wissen über bzw. seine/ihre musikalische Vorstellung des Stücks, die Musiker/innen bringen wiederum ihr bereits vorhandenes Wissen zum Werk ein und bieten dem/der Dirigierenden musikalisch etwas an. Als Voraussetzung für dieses Wechselspiel dient geteiltes Wissen zum Werk, zum Komponisten, zur Interpretationsweise, zu historischen und ästhetischen Hintergründen des Stücks, usw. Aufbauend auf diesem geteilten Wissen generieren Dirigent/in und Musiker/innen während der Probe gemeinsam neues Wissen und evtl. auch neue, noch nie dagewesene Interpretationsweisen des Stücks.

FA wie fanatisch. Fanatisch bin ich zurzeit ein wenig, was meine Literaturrecherche und meine Beschäftigung mit relevanter Literatur für meine Diss anbelangt. Zitiere ich aus einem Buch oder Artikel, löst sich jedes Mal der Schneeballeffekt aus und ich stoße auf weitere Literatur, die interessant sein könnte. Und im nächsten Aufsatz gibt es wieder Literaturangaben, die mir ins Auge stechen und die ich sodann nachschlagen muss… Und so geht das ganze ständig weiter, nur irgendwann werde ich Kompromisse schließen müssen, denn Literatur gibt es unendlich viel und alles werde ich nicht einbauen können (meine Dissertationsbetreuerin meinte letztens, ich sollte nicht mehr als 250-350 Seiten schreiben…).

SOL wie soleil. Stichwort Sonne: draußen scheint die Sonne und ich sitze an meinem Schreibtisch und schreibe, analysiere, inventarisiere, transkribiere, recherchiere, und sehe zu, wie die Sonne am Fenster vor dem Schreibtisch vorüberzieht und ich immer noch dasitze und in meinen Laptop starre… Nein, ganz so schlimm ist es nun auch wieder nicht, aber nun merke ich schön langsam, dass ich reif für Urlaub, Sonne, Berge und Strand bin. Und ganz bald, in 2 Wochen, wird es auch soweit sein! Entspannung und Abschalten naht! 🙂 (…und nachher kann ich dann hoffentlich erholt und mit freiem Kopf wieder voll durchstarten…oder besser gesagt schreiben…)

LA wie Laptop. Dazu gibt es nicht sehr viel zu sagen, außer dass es mir momentan teilweise so vorkommt, als ob ich mit meinem Laptop verheiratet wäre!! (#manchmalmussmaneinbisschenübertreiben 🙂 )

SI wie Singen. Ja, genau… wieviel von Dirigierenden während der Probe gesungen wird, darf nicht unterschätzt werden. Indem Dirigent/innen vor- oder nachsingen, können sie am besten ausdrücken, was sie von den Musiker/innen hören möchte. Dabei kommen alle möglichen Silben und Laute vor, angefangen von den italienischen Tonsilben, bis hin zu „ta“, „ti“, „ri“, „pam“, „zi“, usw. Vor allem ein Dirigent in meinem Corpus ist hier sehr einfallsreich und ich frage mich immer noch, wie ich sein Singen transkribieren soll. Eine Herausforderung, die in nächster Zeit auf mich, auf meinen Laptop, auf meinen Schreibtisch am Fenster zukommen wird…aber erst nach dem wohlverdienten Urlaub!! 😉

mm

2 Kommentare zu „Do, re, mi, fa, sol, la, si…

  1. Vielen Dank für diese erhellenden und virtuosen Eindrücke zum Thema „Diss-Schreiben“ – klingt für mich sehr geordnet und zielstrebig! Und dass noch parallel zu einer BA-Arbeit…Respekt!
    Ich freue mich auch weiterhin auf Ihre Analysen und Blogbeiträge und dann auch auf die versprochenen Veröffentlichungen!
    Aber Pausen müssen eben auch sein – dem würden auch die Orchester-Musiker sicher zustimmen -, daher wünsche ich Ihnen ein paar schöne und entspannte Urlaubstage,

    herzliche Grüße aus Frankfurt,
    Birte Egloff

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