„Le pizzicato est avant […] mais ça doit être ensemble […].“

Hier das Geplapper und Geflüster unter Musiker/innen, die bereits im Probe- oder Konzertsaal sind, dort das Auspacken der Instrumente und der Noten für die anstehende Probe, zwischendurch ein Trommelwirbel, und hie und da die Töne und Klänge von verschiedenen Instrumenten. Auf diese Weise stimmen sich Orchestermusiker/innen für eine Probe ein, sie begrüßen sich untereinander, stellen die materiellen Voraussetzungen für die bevorstehende Probe her und spielen ihre Instrumente warm.

Dieser Blogbeitrag widmet sich dem Ablauf einer Orchesterprobe und umreißt grob die darin enthaltenden verschiedenen Phasen. Die oben beschriebene Phase kann als Vorbereitung und Übergang zur eigentlichen Probe charakterisiert werden, da die Musiker/innen bereits durch ihr Warm-Up beginnen, ihre eigene kleine soziale Welt aufzubauen. Sobald der/die Dirigent/in den Raum betritt, wird diese soziale Welt zusehends verfestigt und ausgebaut, die Stimmen und Töne der Musiker/innen verstimmen und der/die Konzertmeister/in erhebt sich, als Zeichen, dass es nun an der Zeit ist, die Instrumente gemeinsam zu stimmen. Der/die Oboist/in gibt einen Ton vor, der zuerst für alle Blasinstrumente als Stimmton dient, dann wird dieser Ton immer noch ausgehend von der Oboe von den Streichinstrumenten übernommen. In dieser Phase hat der/die Konzertmeister/in Autoritätsanspruch, sobald er/sie sich wieder auf seinen/ihren Stuhl hinsetzt, übernimmt der/die Dirigent/in die Führung des Orchesters.

Durch das Betreten des Raumes ist der/die Dirigent/in bereits in eine nonverbale, über Körperbewegungen und Blicke vermittelte Interaktion mit den Orchestermusiker/innen getreten, durch seine/ihre Begrüßung am Dirigierpult kommen nun auch verbale Elemente mit ins Spiel. Schon bald nimmt der/die Dirigent/in den Dirigierstab in die Hand und das gemeinsame Musizieren beginnt.

An diese einleitende Phase schließt die gemeinsame Erarbeitung eines musikalischen Werks an, wobei das betreffende Stück meist zuerst fast oder ganz durchgespielt wird. Da der Großteil der Dirigent/innen in meinen Aufnahmen als Gastdirigent/innen mit den Orchestern arbeitet, dient dieses Durchspielen wohl als gegenseitiges Kennenlernen und Herantasten. Daraufhin wird das musikalische Werk genauer geprobt, d.h. der/die Dirigent/in versucht seine/ihre Vorstellung, wie das Stück klingen soll, durch Worte, Gesang, Gestik und Mimik den Musiker/innen zu vermitteln. Er/Sie korrigiert das Spielen der Musiker/innen laufend: es wird an einer Stelle angesetzt, die dann solange wiederholt wird, bis der angestrebte Klang, die erforderliche Artikulation oder Intonation, oder das einwandfreie Zusammenspiel erreicht ist. Die Musiker/innen selbst vermerken sich die Anweisungen und Korrekturen des/der Dirigent/in mit einem Stift in ihren Noten, sie flüstern auch teilweise untereinander oder erheben sich, um in die Eintragungen von Kolleg/innen zu schielen.

Die meiste Zeit spricht also nur der/die Dirigent/in, die Musiker/innen reagieren oder antworten musikalisch auf seine verbalen Äußerungen. Dass hier ein hohes Maß an Konzentration und Ausdauer mitmischt, lassen nicht zuletzt die zahlreichen Unterbrechungen, Wiederholungen und Zerlegungen des Stücks vermuten, sondern auch die Länge der Proben, die zwischen 3 und 4 Stunden inklusive Pause(n) variiert.

Umso weniger verwunderlicher ist es auch, dass sich Musiker/innen häufig – insofern sie gerade nicht an dem Erproben einer Stelle beteiligt sind – versteckt und unterschwellig austauschen, vergleichbar mit dem Schwätzen von Schüler/innen im Klassenzimmer. Es war sehr spannend für mich zu beobachten, wie die Orchestermusiker/innen immer wieder ihre Köpfe zueinander steckten, um leise (oder manchmal auch etwas lauter) während des Spielens von Kolleg/innen oder der Ansagen des/der Dirigent/in zu sprechen und sich so die Wartezeit bis zu ihrem nächsten Einsatz zu vertreiben. Teilweise muss der/die Dirigent/in auch zu Ruhe ermahnen, so wie ein/e Lehrer/in in der Schule.

Sobald die vorgesehene Zeit für die Probe verstrichen ist, beendet der/die Dirigent/in das gemeinsame Musizieren, er verabschiedet die Musiker/innen, welche sich daran machen, ihre Instrumente und Noten wieder einzupacken. Die erzeugte soziale Welt der Orchesterprobe löst sich langsam wieder auf, Dirigent/in und Musiker/innen verlassen den Raum, bis sie in der nächsten Probe erneut in die gemeinsame kleine Welt eintauchen werden…

mm

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