Meine Jahresbilanz 2021

In meinem heutigen Blogbeitrag möchte ich Bilanz ziehen über das Jahr 2021. Ein Jahr voller Höhepunkte und Erfolge, Herausforderungen, Neuausrichtungen, Erkenntnisse und Inspirationen. Ich möchte noch einmal Revue passieren lassen, welche Ereignisse und Personen mich im Jahr 2021 geprägt haben, was ich im alten Jahr lassen und was ich vom alten Jahr mit ins neue Jahr nehmen möchte. Vielleicht rege ich den/die eine/n oder andere/n ja an, sich ebenfalls mit den nun folgenden Fragen auseinander zu setzen… 🙂

Was waren meine Herausforderungen in diesem Jahr?
Meine größte Herausforderung dieses Jahr waren sicherlich die Vorbereitung und die Durchführung meiner Dissertationsverteidigung. Ich glaube, ich habe mich noch nie so intensiv auf eine Präsentation vorbereitet und ich habe auch noch nie einen Vortrag so oft überarbeitet und geprobt wie meine Dissertationsverteidigung. Aus den Probevorführungen konnte ich mir allerdings viel Sicherheit für den „großen Tag“ mitnehmen und es hat dann auch alles reibungslos geklappt – also genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Meine Verteidigung fiel fast zeitgleich mit der Bewerbung für die Post-Doc-Stelle in Innsbruck zusammen, d. h. im Anschluss an meinen Doktoratsabschluss ging es schon wieder mit Arbeit weiter und ich war früher als gedacht damit konfrontiert, mir Gedanken über ein eventuelles Habilitationsthema zu machen. Ich hätte mir schon eine kleine Verschnaufpause gewünscht, allerdings finde ich es nun im Nachhinein alles ziemlich rund, denn das Timing war perfekt. 😉

Ich, erleichtert nach meiner gelungenen Dissertationsverteidigung 🙂

Als ich dann (relativ schnell) erfahren habe, dass ich die Stelle an der Uni Innsbruck erhalten werde und ab 1. September antreten kann, war ich mit viel Organisieren beschäftigt. Das heißt, ich musste mich um die Kündigung an der Universität Salzburg kümmern, mich für eine Wohnung in Innsbruck interessieren, den Umzug planen und mich mit meinem Kopf Richtung Innsbruck und weg von Salzburg ausrichten. Ich glaube, dass der letzte Punkt fast die größte Herausforderung für mich darstellte, denn irgendwie war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht soweit, Salzburg (schon) wieder zu verlassen, da ich insgesamt gerechnet nicht so lange dort war (es kam ja dann das Virus dazwischen und ich habe einen Großteil meiner „Salzburger Zeit“ im Homeoffice verbracht) und es mir so vor kam, als ob es noch nicht so weit für einen Abschluss wäre. Ich habe aber mittlerweile einen sehr guten Kompromiss gefunden zwischen Innsbruck und Salzburg. Zum einen fahre ich noch einmal im Monat für Saxophon- und Klavierunterricht nach Salzburg und zum anderen bin ich noch in einige Projekte mit ehemaligen Arbeitskolleg*innen in Salzburg involviert, sodass ich meine Salzburger Zelte noch nicht vollständig abrechen muss(te).

Salzburg von einer seiner schönsten Seiten…

Was habe ich (über mich) gelernt?
Im Jahr 2021 habe ich gelernt, dass ich nicht immer 1000% geben muss, sondern dass manchmal auch weniger reicht. Harte Arbeit und Disziplin werden zwar belohnt, aber es muss nicht immer alles „perfekt“ sein. Oder besser gesagt: Es KANN nicht immer alles perfekt sein. Dieser Gedanke stellt auch gleichzeitig einen meiner Vorsätze für das neue Jahr dar, getreu nach dem Motto: „You’re never going to be at your best every single day but the version of you that shows up anyway is more than good enough“.

Welche Ereignisse waren besonders eindrücklich für mich?
Hierunter fallen eigentlich alle Herausforderungen, die ich dieses Jahr meistern musste, also der Abschluss meines Doktorats im April, die neue Stelle in Innsbruck und das damit verbundene (Wieder-)Einleben in das alte neue Umfeld. Besonders eindrücklich für mich war auch die Promotionsfeier in Salzburg im November, die noch die „Krönung“ meines Doktorats und das Ankommen in der Post-Doc-Phase darstellte. Nun fühle ich mich „angekommen“ in der Wissenschaftswelt und freue mich, auch im neuen Jahr 2022 Wissenschaft zu betreiben und mich dabei in neue Gebiete und Forschungsthemen einzuarbeiten.
Ein weiteres eindrückliches Ereignis war, dass ich den Award of Excellence vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung in der Höhe von 3.000 Euro im Dezember erhalten habe. Leider kam es coronabedingt zu keiner feierlichen Übergabe des Preises; ich hätte es wirklich schön gefunden, nach Wien zu der Feier zu fahren und dort den Award überreicht zu kriegen…
Und nicht zu vergessen und das wohl wichtigste Ereignis dieses Jahr (auch wenn es nichts mit Arbeit, Uni und Wissenschaft zu tun hat): meine Hochzeit im Juni! 🙂

Welche Personen haben mir besonders viel Inspiration gegeben?
Viel Inspiration dieses Jahr hat mir Hartmut Stöckl, Professor am Fachbereich Anglistik und Amerikanistik an der Uni Salzburg, gegeben. Mit ihm gemeinsam habe ich erst vor kurzer Zeit einen Aufsatz zu multimodalen Instruktionen in Orchesterproben auf Multimodal Communication veröffentlicht und ich muss sagen, ich war schon von Beginn unserer Zusammenarbeit an seiner Forschung zu Werbung, Medienlinguistik und Verknüpfung von Sprache und Bild in Werbetexten interessiert. In letzter Zeit habe ich ziemlich viel von ihm zu diesen Schwerpunkten gelesen, da ich mich in meiner Habilitation auch mit Werbung, Werbesprache und Werbekommunikation unter multimodalen Gesichtspunkten auseinandersetzen möchte. In welche Richtung von Werbung (also Produktwerbung, Automobilwerbung, Tourismuswerbung usw.) es gehen soll, werde ich in einem kommenden Blogbeitrag ausführlicher beschreiben… also: stay tuned! 😉
Inspiriert haben mich in diesem Jahr außerdem Richard Precht und Markus Lanz mit ihrem Podcast „LANZ&PRECHT“, der einmal pro Woche erscheint und in dem sie sich mit gesellschaftlich und politisch relevanten Themen unserer Zeit beschäftigen. Der Podcast regt zum Nachdenken und auch zum Nachlesen über bestimmte Themen an, er bildet weiter und zeigt, wie man durch eine intensive Auseinandersetzung mit Inhalten, Theorien und Büchern den eigenen Wissenshorizont und das eigene kritische Denken erweitern/trainieren kann. Den Podcast gibt es erst seit September diesen Jahres und ich freue mich jetzt schon jede Woche auf sein Erscheinen. Ein für mich sehr inspirierender und informativer Podcast, den ich nicht mehr missen möchte und den ich auch nur jedem/jeder weiterempfehlen kann.

Was nehme ich mit ins neue Jahr an Gesprächen, Versprechen und anderen Vorhaben?
Mitnehmen ins neue Jahr werde ich sicherlich meine Dissertation, die nun zur Publikation steht. Im November und Dezember war ich fast ausschließlich mit der Überarbeitung des Manuskripts beschäftigt, das ich nun beim Verlag eingereicht habe. Im Januar werde ich einen Antrag auf Druckkostenförderung stellen und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr dann auch schon meine publizierte Dissertation in den Händen halten kann.
Ein weiteres Vorhaben, das ich von 2021 mit in das Jahr 2022 nehmen werde, ist meine Habilitation. Bis jetzt bestand die Beschäftigung mit der Habil größtenteils nur darin, mich einzulesen; im kommenden Jahr möchte ich an einem Corpus arbeiten, weiterhin viel lesen und auch schon mit dem Schreiben beginnen (#settingbiggoals).
An Gesprächen möchte ich den immer noch regen Austausch mit Hartmut Stöckl zu Multimodalität mit in das neue Jahr nehmen und auch den Austausch mit einer Doktoratsstudentin an der Katholischen Universität Leuven zu Orchesterproben. Es wird auch so sein, dass mich meine Orchesterproben noch nicht so schnell loslassen werden, aber dazu kann ich vielleicht in nächster Zeit noch etwas Genaueres sagen…
Und was ich auch noch mitnehmen möchte, ist meine (Arbeits-)Motivation. Zwar bin ich nicht jeden Tag gleich motiviert, aber ich habe schon in einem meiner neueren Blogbeiträge darüber geschrieben, wie viel Spaß und Freude mir meine Arbeit bereitet – auch wenn ich die meiste Zeit dafür in meinem stillen Kämmerlein sitze, mich durch unendlich viele Bücher und Aufsätze wälze und neue Texte produziere… 😉

Was möchte ich im alten Jahr lassen?
Das, was ich im neuen Jahr weniger brauche, sind die zahlreichen online-Veranstaltungen. Ich wünsche mir, im neuen Jahr wieder mehr reisen und mich en direct mit anderen Forscher*innen austauschen zu können. Auch wenn man sich nur mit einem Mausklick zu einer online-Konferenz oder zu einem online-Vortrag dazuklicken kann, hat es doch einen ganz anderen Charme, zu einer Konferenz oder zu einer Tagung hinzufahren und vor Ort alles miterleben zu können. Mal schauen, welche Möglichkeiten sich dahingehend im neuen Jahr eröffnen (#daumensindgedrückt)…

Zum Schluss noch ein Gedanke zum Start in das neue Jahr: „Enjoy the space between where you are and where you are going.“

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern alles Gute für das neue Jahr 2022!
mm

Herbstliche News: Italianismen, neue Publikation und Award of Excellence

„I bin no an attimo ba di italianismi!“

Am 14. und 15. Oktober fand in Florenz an der Accademia della Crusca und gleichzeitig auch online das diesjährige OIM-Treffen statt, also eine Tagung, bei der es darum ging, den Stand der Dinge zu dem Projekt, das sich mit Italianismen in unterschiedlichsten Sprachen (Deutsch, Französisch, Spanisch, Englisch, Polnisch, Ungarisch, Chinesisch usw.) befasst, abzuklären und die weiteren geplanten Schritte zu besprechen. Ich arbeite ja seit meiner Salzburger Zeit an dem Projekt mit und beschäftige mich hauptsächlich mit den Italianismen im Südtiroler Deutsch; dementsprechend habe ich auch auf der Tagung über genau diese Italianismen und meine Arbeit daran referiert. Es gibt bereits eine Reihe an Italianismen im Südtirolerischen, die in die Datenbank eingespeist wurden und die hoffentlich bald auch auf der neu eingerichteten Homepage (http://www.italianismi.org/) verfügbar sein sollten. Meine Aufgabe besteht darin, die bestehenden Daten in der Datenbank zu kontrollieren und zu ergänzen, aber auch neue Italianismen hinzuzufügen. Ich habe erst letzte Woche aus dem Lexikon Südtirolerisch-Deutsch von Hanspeter Demetz neue Italianismen bzw. noch nicht in der Datenbank eingetragene Italianismen extrahiert und werde diese in nächster Zeit mit Informationen zu „Bedeutung“, „Einsatzbereich“, „Form“, „Erstbeleg“, „Quelle“ usw. vervollständigen. Kleiner Nebeneffekt: Ich achte im Alltag viel mehr darauf, welche Wörter aus dem Italienischen ich beim Sprechen benutze und mir fallen auch noch die einen oder anderen Begrifflichkeiten auf, die in dem Lexikon von Demetz (noch) nicht aufscheinen. (Es besteht allerdings die Möglichkeit, sich per E-Mail an den Autor zu wenden und ihm beim Vervollständigen des Lexikons mit neuen Wörtern behilflich zu sein, was ich wohl auch machen werde… :-))

Multimodalität 2.0

Abstract zum Aufsatz in Multimodal Communication

Award of Excellence 2021

Und nun als letzten Punkt noch eine weitere erfreuliche Nachricht… Am 7. Dezember werde ich den Award of Excellence 2021 des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, in der Höhe von 3.000 Euro, in Wien – im Rahmen einer feierlichen Übergabe – für meine Dissertation erhalten!! Als ich letzte Woche die Mitteilung erhalten habe, dass ich mit meiner Dissertation als Preisträgerin ausgewählt wurde (die 40 besten Dissertationen des Studienjahres 202/21 an österreichischen Universitäten werden mit dem Preis ausgezeichnet), war ich im ersten Moment einfach nur überwältigt und sprachlos. Ich fühle mich sehr geehrt und freue mich sehr über diesen Preis! Die harte Arbeit und das Dranbleiben an meiner Diss haben sich also im wahrsten Sinne des Wortes „gelohnt“ und ich bin schon auch ein kleines bisschen stolz darauf, was ich geleistet und erreicht habe… 🙂

Keep going, mm

Back @ Innsbruck, back @ work

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht! Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mir zu Beginn des Sommers gedacht habe, wie lange der Sommer doch dauern wird und wieviel ich mir vorgenommen habe, sei es an Bergtouren, Lesestoff und anderen Freizeitaktivitäten. Und schwuppsdiwupps, war der Sommer auch schon wieder vorbei. Und nun sitze ich in Innsbruck, in meinem neuen Büro an der Uni (im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Büro wurde frisch renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet!), an meinem alten neuen Arbeitsplatz und bin bereits wieder so tief im Arbeitsmodus, dass ich den Sommer schon (fast) wieder vergessen habe.

Tagliata, tortino al cioccolato, panna cotta und olive all’ascolana
Eines nehme ich allerdings aus dem Sommer mit, und das sind Fotos von Speisekarten, die ich im Urlaub in den Marken gemacht habe. Da finden sich interessante Übersetzungen vom Italienischen ins Englische, in denen es zu Kürzungen kommt und Informationen ausgespart werden, z. B. wird it. „Tagliata di vitellone marchigiano IGP“ in der englischen Übersetzung zum simplen „beef entrecote“ (ich bin mir auch nicht sicher, ob mit „tagliata“ und „entrecôte“ dasselbe Fleischstück gemeint ist). Die Aufwertung, die durch den Verweis auf die Herkunft im Italienischen noch präsent ist, geht im Englischen verloren. Allerdings ist auch der umgekehrte Weg möglich: In der englischen Übersetzung werden Zusatzinformationen integriert, die im Italienischen ausgespart werden. It. „tortino al cioccolato“ wird im Englischen mit „hot chocolate cake“ übersetzt. Hier wird also das Adjektiv „hot“ (warm) und damit eine Information hinzugefügt, die im Italienischen fehlt bzw. von der angenommen wird, dass der italophone Gast ohnehin weiß, dass ihm sein Schokoküchlein warm serviert wird. Interessant finde ich auch, dass Speisen wie „Tiramisù“ oder „Panna cotta“ überhaupt nicht ins Englische übersetzt werden, sondern in ihrer italienischen Bezeichnung da stehen und damit als kulinarische Internationalismen gekennzeichnet werden. Das sind nur einige Besonderheiten, die mir so schnell ins Auge gesprungen sind – die Analyse bleibt „to be continued“. Und noch ein kleiner Tipp am Rande: Unbedingt die „olive all’ascolana“ probieren (einfach mal googlen, was sich hinter dem Namen verbirgt 😉 ) und ausnahmslos „vino della casa“ nelle Marche trinken…ihr werdet es nicht bereuen… 🙂

Von Innsbruck nach Salzburg und doch wieder ein kleines Stück zurück
Nach dem Urlaub stand dann auch schon der Umzug von Salzburg nach Innsbruck an, der relativ reibungslos vonstatten ging, allerdings doch mit einigen Mühen und Anstrengungen verbunden war (Kisten schleppen, Möbel aufstellen, fehlende Sachen im Ikea kaufen und aufbauen, Waschmaschine transportieren, PC an der Uni einrichten und schlauer als die IT-Experten sein, und und und). Ok, es war ziemlich anstrengend und ich bin froh, dass mittlerweile wieder ein bisschen mehr Ruhe in meinen Alltag eingekehrt ist und ich mich in Innsbruck ganz gut eingelebt habe. Dazwischen habe ich noch einen Vortrag auf der GAL Würzburg (https://gal-wue21.de/) online gehalten. Thema war „Autorität, Normen und Aushandlungen im Kammermusikunterricht“. Ich habe zwei Videoausschnitte vorgestellt und besprochen, in denen es in einem Kammermusikunterricht am Konservatorium Claudio Monteverdi Bozen, an dem ich auch selbst teilgenommen habe (im April 2018), zu Aushandlungsprozessen zwischen Professorin für Kammermusik und Studierenden/Musiker*innen kommt. In meinem Vortrag stand im Mittelpunkt, wo, wann und warum solche Aushandlungsprozessen stattfinden und auf welche (multimodale) Art und Weise deontische und epistemische Rechte zwischen den Beteiligten herumgereicht werden.
Letztes Wochenende stand dann noch eine weitere online Tagung an, die STaPs (Sprachwissenschaftliche Tagung für Promotionsstudierende) in Salzburg (https://staps.stuts.eu/18-staps-salzburg/), an der ich als Mitorganisatorin beteiligt war. Man glaubt nicht, was es alles zu organisieren gibt/gab, auch wenn die Tagung „nur“ online stattfand. Über Abstractband, Programmheft, Workshops, Panels zu unterschiedlichen Themen, Einrichtung der online-Plattform, Moderation der einzelnen Vorträge bis hin zu Rahmenprogramm (Yoga-Sessions und Kochkurs) und Socializing Aktivitäten (z. B. ein Pubquiz am Abend) und vieles mehr. Die Tagung war also mit viel Arbeit verbunden, aber es hat Spaß gemacht und wir haben auch durchwegs positive Rückmeldungen zu unseren organisatorischen Fähigkeiten erhalten. 🙂

Salzburg zeigt sich (noch einmal) von seiner schönen Seite, 30.09.2021

Become a champion in grammaire française
Und nicht zu vergessen, war die letzte Zeit, also der September, auch gefüllt mit der Vorbereitung meiner Lehrveranstaltung an der Uni Innsbruck, die nächste Woche startet. Ich werde einen Kurs in französischer Linguistik halten: „Grammatische Analyse Französisch“. In diesem Kurs geht es darum, die Student*innen für grammatische Fragestellungen aus theoretischer und praktischer Sicht zu sensibilisieren. Ich bin mit der Planung und Vorbereitung bis jetzt eigentlich ganz gut voran gekommen und freue mich, ab nächster Woche zu lehren und mit Studierenden zusammen zu arbeiten, auch wenn vorerst nur digital und nicht in Präsenz.

Mein nächstes großes Schreibprojekt: die Habilitation
Die nächste Zeit wird also gefüllt sein mit Lehrveranstaltungsplanung und -umsetzung, mit neuen Aufgaben, die am Institut für Romanistik in Innsbruck noch auf mich zukommen werden (voraussichtlich die Mit-Betreuung der Romanistik-Homepage) und auch mit der Befassung mit meiner Habilitation. Hier steht die Themaeingrenzung an (da bin ich noch unschlüssig!) und dann auch viel lesen, lesen, lesen und ein Projekt aus dem Boden stampfen. Ich werde immer wieder gefragt, ob ich nach meiner Dissertation die Motivation habe, auch noch eine Habil zu schreiben und ich muss sagen: Ja, das ist genau das, was mir Spaß macht und worin ich mich vertiefen kann. Forschung kann ja so spannend sein! Das habe ich auch jetzt erst wieder gemerkt, als ich ein Abstract für eine anstehende Publikation verfasst habe. Wenn ich einmal anfange, mich irgendwo einzulesen und etwas zu produzieren, muss ich mich fast dazu zwingen, wieder aufzuhören. Aber so sollte es ja sein, oder? Ganz nach dem Motto (steht diese Woche auf meinem Kalender): „Wähle eine Arbeit, die du liebst und du wirst nie wieder arbeiten müssen.“

Bleibt aufrecht, irgendwie 🙂

mm

P.S.: Ich gedenke, in Zukunft meine Blogbeiträge etwas kürzer zu gestalten und dafür öfter zu posten. Mal schauen, ob sich das umsetzen lässt…

Wo sich eine Tür schließt, öffnen sich neue Türen…

Klingt ein bisschen nach Abschied, oder? Zugegeben, das ist es nun auch. Ich werde nämlich Ende August meine Zelte in Salzburg abbrechen und ab September in Innsbruck wieder aufschlagen. Ich habe mich im Mai für eine vierjährige Post-Doc Stelle an der Uni Innsbruck für französische und italienische Sprachwissenschaft – also genau mein Spezialgebiet 🙂 – beworben und die Stelle auch erhalten. Das Salzburg-Abenteuer geht also früher zu Ende als geplant (meine Stelle an der Uni Salzburg wäre erst mit Ende Jänner 2023 ausgelaufen) und ich kehre wieder an meine „Heim“-Uni nach Innsbruck zurück.

Ein weinendes und ein lachendes Auge
Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend, da ich mich in Salzburg wohlfühle/immer wohlgefühlt habe und ich die Stadt mit ihrem Charme und meine Arbeitskolleg:innen dort ins Herz geschlossen habe. Außerdem war ich ja – coronabedingt – bis zum Schluss nicht so lange in Salzburg, insgesamt waren es vielleicht nicht einmal zwei Jahre. Ich gehe aber auch lachend, da ich viel mitnehmen kann: neu Gelerntes, neue Freundschaften, ein abgeschlossenes Doktorat, kulturelle und musikalische Einblicke und Erfahrungen. Und ich freue mich nun auch auf Innsbruck, auf bekannte Gesichter am Institut für Romanistik, auf neue Kooperationen und auf neue Projekte – allen voran mein Habilitationsprojekt. Denn mein Ziel ist es, meine Laufbahn an der Uni voranzutreiben; mit dieser neuen Stelle habe ich schon einen Schritt in die richtige Richtung bzw. in Richtung (hoffentlich irgendwann!) unbefristete Anstellung gemacht. Dafür heißt es nun allerdings zuerst einmal eine weitere Arbeit zu verfassen, die Habilitationsschrift, die, wenn möglich, ein ganz anderes Thema als die Dissertation behandeln sollte. Einige Ideen dafür schwirren bereits in meinem Kopf umher, ab September werde ich meine Gedanken dann sortieren und ein konkretes Konzept entwerfen.

Meine lachenden Augen 😉

Alte Projekte und neue Herausforderungen
Mit einem Fuß werde ich trotzdem noch in Salzburg bleiben, denn ich werde auch weiterhin am OIM-Projekt mitarbeiten, das sich mit der Sammlung von Italianismen in unterschiedlichsten Sprachen beschäftigt und das mein (noch) vorgesetzter Professor an der Uni Salzburg neben anderen betreut. Auch in den nächsten Wochen – bis zu meinem Urlaub im August – steht die Arbeit an diesem Projekt auf meiner To-Do-Liste. Ich werde mich mit den Italianismen im Schweizerischen auseinandersetzen, d.h. ich werde in einem ersten Schritt die Italianismen sammeln und etymologisch nachverfolgen sowie in einem zweiten Schritt Bedeutungen recherchieren und evtl. auch mit bereits bestehenden Daten abgleichen.

Daneben arbeite ich mit zwei Kolleg:innen aus Salzburg an einer gemeinsamen Publikation zum Thema „Progressivität“. Wir untersuchen die aktuelle Bewertung und Verwendung verschiedener Formen zum Ausdruck von Progressivität im Deutschen (z. B. am-Periphrase: Ich bin am Überlegen, tun-Periphrase: Sie tut nachdenken, im-Periphrase: Er ist im Arbeiten, usw.) in drei dialektal unterschiedlichen Regionen des deutschen Sprachraums (Mittelbairisch: Oberösterreich und Salzburg, Südbairisch: Südtirol, Westfälisch: Nordrhein-Westfalen). Die Rohversion des Aufsatzes steht nun, uns fehlen nur noch einige Korrekturläufe bevor wir den Aufsatz (im Herbst?) zur Publikation einreichen werden. Sobald der Artikel veröffentlicht sein wird, werde ich ihn auch hier auf meinem Blog verlinken, sodass Interessierte auf ihre Kosten kommen können… 🙂

Ein weitere Herausforderung in der nächsten Zeit wird sein, einen Vortrag für die GAL-Sektionentagung (siehe https://gal-wue21.de/) im September 2021 online in Würzburg vorzubereiten. Ich werde einen Vortrag über Autorität, Normen und Aushandlungen im Kammermusikunterricht halten und mir dabei ansehen, wie Normen zwischen den Beteiligten ausgehandelt werden und wo und wie es zu Abweichungen von Regeln kommt (z. B., wenn ein/e Musiker:in musikalische Vorschläge und Ideen einbringt, ohne dazu aufgefordert zu werden). Dafür arbeite ich mit Videos, die ich in einem Kammermusikunterricht am Konservatorium in Bozen, als ich dort noch studiert habe, gesammelt habe. Diese habe ich bereits größtenteils transkribiert und werde mir nun geeignete Beispiele aussuchen, die ich für meine Präsentation verwenden kann.

Kammermusikunterricht am Konservatorium Bozen mit mir als Klarinettistin

Dieselben (Kammermusik-)Daten werde ich auch noch für ein weiteres Publikationsprojekt verwenden, das Multimodalität – und hier vor allem die Herstellung von Referenz und das Ineinanderspielen von unterschiedlichen „modes“ – zum Thema haben wird. Das heißt, ich werde mich noch nicht so schnell vom Thema Sprache und Musik verabschieden, sondern ich bleibe auch weiterhin in diesem Bereich tätig, allerdings nun mit einer Verlagerung des Schwerpunkts von Orchesterproben auf Kammermusikunterricht – auch vor dem Hintergrund, dass in dieser Interaktionskonstellation die Kommunikation weit dialogischer abläuft als in Orchesterproben, wo meistens nur der/die Dirigent:in spricht.

I’m walking on sunshine…
Das heißt, auch jetzt im Sommer gibt es Arbeit genug! 🙂 Im August werde ich mir allerdings noch eine Arbeitsauszeit gönnen und im Urlaub meine Füße in den Sand und auch in die Sonne strecken. Bevor ich dann hoffentlich (!) erholt im September in das Innsbruck-Abenteuer starte und neue, noch ungeöffnete Türen aufstoße…

mm

Endlich geschafft: Doktorin in Philosophie!

Jawohl, es ist geschafft, ich habe mein Doktorat am 30. April abgeschlossen und darf mich von nun an „Doktor Monika Messner“ nennen. Und heute habe ich endlich Zeit gefunden, auch hier auf meinem Blog über diesen so wichtigen Abschluss zu berichten und gleichzeitig ein bisschen Richtung Zukunft zu blicken.

Ade, meine ständige Begleiterin!
Im Sommer 2015 habe ich begonnen, ein Konzept für meine Dissertation zu entwerfen und mich mit der Videodatenaufnahme in Orchesterproben zu beschäftigen. 2016 habe ich dann angefangen, Datenmaterial zu sammeln, zu ordnen und zu transkribieren und mich in die Literatur einzulesen. Ab dem Jahr 2017 habe ich mich auch dem Schreiben gewidmet und letztes Jahr, im Dezember 2020, habe ich den letzten Punkt in meiner Dissertation gemacht. Am 30. April war es dann im Rahmen meiner Dissertationsverteidigung – die online stattfand – soweit, (vielleicht ein letztes Mal?) über mein Dissertationsprojekt zu sprechen und in einer anschließenden Diskussion mein Fachwissen unter Beweis zu stellen bzw. meine Dissertation zu „verteidigen“. Letzte Woche habe ich vom Prüfungsreferat die Mitteilung erhalten, dass ich mein Doktoratsstudium erfolgreich abgeschlossen habe und nun offiziell exmatrikuliert bin. Und damit: Ade, Doktoratsstudium und ade, Dissertation!

Ich, beim (nostalgischen) Durchblättern meiner Dissertation

Wie fühlt es sich an?
Für mich fühlt sich das alles noch irgendwie komisch, ungewohnt und nicht wirklich real an, da meine Dissertation nun seit sechs Jahren meine ständige Begleiterin war und ich mich tagein tagaus mit ihr beschäftigt habe. Es gab gute Tage und es gab schlechte Tage – wie in jeder Beziehung 🙂 -, aber es wurde bis zum Schluss nie, wirklich nie, langweilig. Wahrscheinlich habe ich auch deshalb 420 Seiten geschrieben… 😉 Ich denke, dass ich noch ein wenig Zeit brauche, um zu realisieren, was dieser Doktortitel nun für mich und auch für meine weitere Karriere bedeutet. Ich hatte auch noch nicht wirklich Zeit nachzudenken, denn am Montag nach meiner Verteidigung (diese fand an einem Freitag statt), drehte sich das Rad (immer noch) weiter und ich war mit einem großen Berg an Arbeit konfrontiert, der erst im Laufe der letzten Woche wieder weniger wurde. In der Zwischenzeit wurde ich bereits mehrmals mit „Frau Doktor“ angesprochen oder angeschrieben und ich muss zugeben, dass sich das schon irgendwie gut anfühlt 🙂 – aber wie gesagt, das ist für mich noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig…

Und wie geht es nun weiter?
Mit viel Arbeit! 🙂 Ohne Dissertation, aber vielleicht mit Habilitation? Meine Stelle in Salzburg bleibt mir ja erhalten – bis Ende Jänner 2023 -, diese ist nicht an das Doktoratsstudium und dessen Abschluss gebunden. Das heißt, ich habe oder hätte nun Zeit, mich einer Habilitation zu widmen. Eine Idee schwirrt mir bereits im Kopf herum und mal sehen, ob ich in den nächsten Jahren Zeit und Motivation finde, um mich einer weiteren schriftlichen Arbeit, vielleicht noch einmal mit ca. 500 Seiten, zu widmen. Who knows…

The show must go on!
Ansonsten bin ich zurzeit mit Lehre beschäftigt, da ich einen Kurs zu Grundlagen in Sprachwissenschaft Italienisch halte und dabei versuche, die Möglichkeiten des Internets und des digitalen Unterrichts auszuloten, um meinen Unterricht für die Studierenden so anregend wie möglich zu gestalten. Außerdem bin ich mit zwei Kolleg:innen von der Uni Salzburg dabei, an einer Publikation zu sprachlichen Strukturen und deren Verwendung in unterschiedlichen Sprachgebieten (Nordrhein-Westfalen, Oberösterreich/Salzburg und Südtirol) zu arbeiten. Ein Aufsatz dazu sollte noch heuer oder spätestens nächstes Jahr erscheinen.

Schreibst du noch in deinem stillen Kämmerlein oder sehen wir uns bald auf einer Tagung wieder?

Und bevor ich es vergesse: Letzte Woche hat mich das Buch bzw. die Publikation „It’s all Greek to me: Mehrsprachigkeit aus interdisziplinärer Sicht“ erreicht, in dem ein Aufsatz von Eva Lavric und mir zur Mehrsprachigkeit in Speisekarten und ein weiterer Artikel von mir zur Mehrsprachigkeit im Kammermusikunterricht zu finden sind. Als ich noch am Konservatorium in Bozen Klarinette studiert habe, habe ich in einer Unterrichtseinheit in Kammermusik Videoaufnahmen getätigt, von denen ich einen Teil in diesem Aufsatz verwendet habe. Ich bin also von Orchesterproben zum Kammermusikunterricht übergeschwappt und finde es ganz spannend zu sehen, welche Ähnlichkeiten und Unterschiede es zur Interaktion in Orchesterproben gibt. Die Kommunikation im Kammermusikunterricht läuft natürlich viel interaktiver ab als jene in Orchesterproben, da auch die Musiker:innen bzw. Studierenden in dieser kleinen Runde oft das Wort ergreifen und nicht nur eine/r (wie der/die Dirigent:in in der Probe) spricht, auch wenn die Rolle des/der Professor:in für Kammermusik vergleichbar mit jener des/der Dirigent:in ist. Und über die Interaktion im Kammermusikunterricht werde ich vielleicht auch auf einer Tagung im September sprechen, falls mein Abstract angenommen wird. Könnte ja sein, dass die Tagung dann wieder in Präsenz stattfindet und dass ich das eine oder andere bekannte Gesicht von jenen wieder sehe, die sich auch immer fleißig hier auf meinem Blog meine Beiträge durchlesen… 🙂

mm

„Essmo magari an Tschelatti?“ – Italianismen im gesprochenen Südtirolerisch

Warum „Autobiochl“ und nicht „Fahrzeugschein“?
Zum Einstieg in diesen Beitrag eine Frage an alle Südtiroler*innen hier auf meinem Blog: Haben wir uns als Südtiroler*innen schon einmal gefragt, warum wir „Autobiochl“ und nicht „Fahrzeugschein“ sagen? Oder warum bestimmte Personen „Rutschelen“ und nicht „Locken“ haben? Diese beiden Ausdrücke und auch noch viele weitere haben wir uns aus dem Italienischen „geklaut“. Südt. Rutschelen stammt vom Ital. i riccioli und wurde durch einige Änderungen so angepasst, dass es wie ein deutsches Wort klingt. Das Wort Autobiochl (oder Autobüchlein) ist eine Teil-Übersetzung von it. libretto di circolazione: it. libretto wurde zu südt. Biochl (inkl. Diminutivform: südt. Biochl < it. libretto), der italienische Ausdruck circolazione (=Kraftfahrzeug) wurde durch die einfachere Form Auto ersetzt. Man sieht schon, auch Wörter und Ausdrücke, die einem so gar nicht Italienisch vorkommen, haben Wurzeln in der italienischen Sprache und sind mittlerweile so fest in unserem Wortschatz verankert, dass wir sie gar nicht mehr als „Fremdwörter“, als „außergewöhnlich“ oder auch als „anders“ wahrnehmen.

„Ich halte nichts von dieser Bastapolitik!“ – Italianismen im Deutschen
Mit Italianismen im Deutschen beschäftige ich mich nun bereits seit Längerem im Rahmen des OIM-Projekts (OIM = Osservatorio degli italianismi nel mondo), hier allerdings mehr auf die mündliche Umgangssprache bezogen, wie sie in Deutschland und Österreich verwendet wird. Im Rahmen dieses von der Accademia della Crusca in Florenz unterstützten Projekts werden Italianismen in unterschiedlichen Sprachen, etwa Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Spanisch usw. gesammelt und in eine Datenbank eingespeist, die in nächster Zeit auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Mit Italianismen in der Südtiroler Umgangssprache bzw. im gesprochenen Südtirolerisch habe ich mich bisher nur am Rande auseinandergesetzt; ich finde es aber vor allem hier spannend, auf die Suche nach Italianismen zu gehen, da der Kontakt zum Italienischen so unmittelbar und zudem historisch geprägt ist.

„Essmo magari an Tschelatti?“ – Italianismen in der Südtiroler Umgangssprache
Vor einiger Zeit bin ich auf die Bachelorarbeit von Isabel Meraner gestoßen, eine Südtirolerin, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München romanische und skandinavische Philologie studiert hat. Sie hat ihre Bachelorarbeit zum Thema „Romanische Einflüsse in der Südtiroler Umgangssprache“ verfasst und darin das Sprachverhalten von dialektophonen Sprecher*innen im Raum Bozen, Überetsch und Unterland untersucht. Sie hat insgesamt 1073 Wörter und Wortverbindungen romanischen Ursprungs ausgemacht (nicht nur Italianismen, sondern auch Ausdrücke, die vom Französischen, vom Ladinischen oder von Dialekten aus dem benachbarten Trentino abstammen) und sich hier vor allem auf die Umgangssprache fokussiert, also die Art von „Ausgleichssprache“, in der etwa ein/e Bozner*in mit einem/einer Unterlandler*in spricht und zu extreme Dialektismen vermieden werden. Isabel Meraner hat in ihrer Sammlung Internationalismen aus den Bereichen Essen und Trinken oder Musik ausgespart und sich vor allem darauf konzentriert, welche romanischen Entlehnungen speziell für Südtirol sind.

Zwei solcher für Südtirol typische Entlehnungen haben wir ja bereits weiter oben gesehen, Rutschelen und Autobiochl. Beim Begriff Rutschelen handelt es sich – der Einteilung von Isabel Meraner in ihrer Studie folgend – um ein sogenanntes assimiliertes Lehnwort, d.h. um ein Wort, das aus einer Gebersprache (dem Italienischen) in eine Zielsprache (dem Deutschen oder der Südtiroler Umgangssprache) übernommen und an die Aussprache in der Zielsprache angepasst wurden. Solche assimilierten Lehnwörter machen den Großteil in Meraners Sammlung aus (45%), daneben tauchen auch zahlreiche nicht assimilierte Lehnwörter auf (36%), wie z.B. magari (südt. vielleicht) oder cazzo (südt. scheiße). Der Begriff Autobiochl kann unter den Lehnübersetzungen eingeordnet werden: Die ausgangssprachliche, italienische Form wird in die Zielsprache übersetzt (it. libretto di circolazione > südt. Autobiochl). Interessant sind auch die hybriden Formen, also Kombinationen aus einem italienischen Wort und einer dialektalen Form, etwa in südt. brutta figura mochn.

Isabel Meraner hat außerdem festgestellt, dass das Italienische Einfluss auf das Laut- und Schriftbild von Ausdrücken in der Südtiroler Umgangssprache hat. So sprechen Südtiroler*innen das Wort Kaffee mit Betonung auf dem Endvokal aus, abgeleitet von it. il caffè, und nicht wie im (Standard-)Deutschen mit Betonung auf der ersten Silbe (Kaffee). Ein weiteres Beispiel ist das Farbadjektiv orange ([orãʃ] in Hochdeutsch ausgesprochen), das im Südtirolerischen zu orantsch [oRantʃ] wird, da hier die Aussprache von it. arancione beeinflusst wird.

Luxus vs. Bedürfnis: Was brauchen wir wirklich?
Auf diese Frage hat Isabel Meraner am Ende ihrer Bachelorarbeit versucht, eine Antwort zu geben. Bei vielen Begriffen aus der Kategorie Militärwesen und auch Verwaltung/öffentliches Wesen (z.B. südt. Quäschtur für ‚Polizeirevier‘ oder südt. Mareschallo für ‚Kommandant‘) handelt es sich um Bedürfnislehnwörter, da sie sehr oft in Verbindung mit dem italienischen Rechts-, Verwaltungs- und Verteidigungssystem stehen. Andere Ausdrücke, wie z.B. das Fluchwort Dio cane!, das auch als Luxuslehnwort bezeichnet werden kann, ist laut Meraner auf sprachliche Expressivität zurückzuführen. In Südtirol ist es sehr viel expressiver das italienische Fluchwort zu verwenden, als Verdammt noch mal! zu rufen. Dabei spielt auch eine gewisse sprachliche Verschleierung eine Rolle: Das Fluchen in der Fremdsprache ist weniger transparent als das Fluchen in der eigenen Sprache. Das bedeutet, durch Fluchausdrücke in der Fremdsprache wird das Fluchen an und für sich abgeschwächt.

Eine typisch deutschsprachige Szene in Südtirol,
gezeichnet von Hans Peter Demetz.

„Jetzt sein mer fregiert!“ oder die Unausweichlichkeit des Italienischen
Manch eine/n Sprachpurist*in mag es schaudern, aber der italienische Einfluss auf das Südtiroler Deutsch ist durch den hautnahen Kontakt mit Italien und auch mit italienischen Tourist*innen aus Rest-Italien unausweichlich. Aufbauend auf der Studie von Isabel Meraner – und auch auf anderen Arbeiten zur Rolle des Italienischen in Südtirol – wäre es nun interessant, eine aktuelle und umfassende Datenbank und Analyse des italienischen und auch romanischen Lehnguts in Südtirol zu erstellen. In dieser Datenbank sollte dann auch aufscheinen, an welchem Ort in Südtirol der italienische Begriff gefunden wurde und inwiefern er effektiv genutzt wird. Das heißt, hier gäbe es einiges an Arbeit zu tun, u.a. Datensammlung, Datenauswertung und Dateninterpretation. Wer weiß, vielleicht nehme ich mich dieser Arbeit in Zukunft ja an und finde heraus, ob die Perfektionierung der gesellschaftlichen Zweisprachigkeit in Südtirol die Entstehung einer Mischsprache verhindert oder ob dieses Mischen des Italienischen und des Deutschen gar eine ’neue Südtiroler Identität‘ bewirkt?…

mm

Finito!!

So wie ein/e Dirigent/in mit „Finito!“ eine Probe beenden würde, benutze auch ich dieses Stichwort, um es ans Ende einer fünf Jahre langen Reise zu setzen: Finito! Meine Dissertation ist fertig! 🙂 Wenn ich ein gedrucktes Exemplar davon in der Hand halte, kann ich selbst kaum glauben, dass es nun zu Ende ist. Und noch weniger glauben kann ich, dass ich soviel geschrieben habe: 422 Seiten Text plus 99 Seiten Anhang, also insgesamt 521 Seiten! Diese Seitenanzahl würde eigentlich einer Habilitation, d.h. dem nächsten Step in der Karriereleiter entsprechen… Allerdings muss ich sagen, dass mir vor allem im letzten Jahr das Schreiben leicht von der Hand ging, da ich noch viele Ideen hatte, die ich zu Blatt bringen wollte und da natürlich auch ein Ende in Sicht war. 😉

Meine fertige Dissertation

Und wie geht es nun weiter? Ganz fertig ist ja noch nicht bzw. sind noch einige Steps zu meistern, bevor ich mein Doktorat in der Tasche habe. Nächster Schritt wird die Einreichung fünf gedruckter Exemplare im Prüfungsreferat der Uni Salzburg sein, was in Zeiten von Corona per Post/Kurier geschehen muss. Anschließend übermittelt das Prüfungsreferat meine Dissertation meinem Hauptbetreuer, der das Erstgutachten darüber verfasst, sowie einer externen Person, die das Zweitgutachten erstellt. Die Gutachter haben zwei Monate Zeit, um sich meine Arbeit durchzulesen und zu bewerten. Sobald ich das Ergebnis der Gutachten erhalte, kann ich die Verteidigung meiner Dissertation anmelden, die den Abschluss des Doktoratsstudiums darstellt. In einem letzten Schritt stelle ich die Inhalte und Ergebnisse meiner Arbeit vor einem Prüfungssenat vor. An diese Präsentation schließt eine Diskussion an, bei der vom Prüfungssenat u.a. auch auf die Gutachten Bezug genommen wird und die Beherrschung meines Fachgebiets evaluiert wird. Und dann erhalte ich meine Abschlussdokumente und kann mich „Doktor“ nennen. 🙂

Die 521 Seiten schwere Arbeit

Das heißt, ein bisschen etwas gibt es noch zu tun. Allerdings kann ich mich jetzt einmal ein wenig zurücklehnen und mich auf andere Dinge konzentrieren, bevor ich mich der Vorbereitung der Abschlusspräsentation widme. Zum Beispiel kann ich mich mit einem Aufsatz zur Mehrsprachigkeit im Kammermusikunterricht auseinandersetzen, für den die Einreichfrist bald abläuft, oder meine Lehrveranstaltung zu Grundlagen in italienischer Sprachwissenschaft für das Sommersemester 2021 an der Uni Salzburg vorbereiten. Und wenn mir langweilig werden sollte, habe ich ja meine gedruckte Diss zu Hause, die ich (nochmals, zum gefühlt hundertsten Mal) lesen kann. 🙂

Auf Fehlersuche 😉

Leider kann ich meine Dissertation noch nicht öffentlich stellen, damit auch der oder die eine oder andere, der/die mir hier auf dem Blog folgt, sie lesen kann. Allerdings möchte ich gerne auf zwei von mir online erschienene Artikel verweisen, die sich mit multimodalem Erzählen und mit gesanglichen Demonstrationen als instruktive Praktik in Orchesterproben beschäftigen. Ersterer ist im Dezember 2020 auf Linguistik online und letzterer erst gestern in der Online-Zeitschrift für Gesprächsforschung erschienen. Ebenfalls gestern ging eine von mir verfasste Rezension zum Buch „Proben-Prozesse“ von Wolfgang Gratzer und Christoph Lepschy online. Also: Es läuft! 😉

Hier die Links zu den Texten:

  1. Multimodales Erzählen in der Orchesterprobe: https://bop.unibe.ch/linguistik-online/article/view/7305/10333
  2. Gesangliche Demonstrationen als instruktive Praktik in der Orchesterprobe: http://www.gespraechsforschung-online.de/fileadmin/dateien/heft2020/si-messner.pdf
  3. Rezension über „Proben-Prozesse“: https://atem-journal.com/ojs2/index.php/ATeM/article/view/2020_1.18/2791

Viel Spaß beim Lesen!

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Mehrsprachigkeit in Speisekarten – mit und ohne Übersetzung

Heute mal wieder ein Blogbeitrag zu einem Thema, das nichts mit meiner Dissertation zu tun hat, das allerdings treuen Leser/inne/n meines Blogs bereits bekannt sein dürfte. Es handelt sich um ein Thema, mit dem ich mich bereits seit Sommer letzten Jahres beschäftige, und zwar Mehrsprachigkeit Speisekarten. Im September 2019 habe ich auf einer Tagung zu Gastronomie und Önologie in Innsbruck einen Vortrag zur Mehrsprachigkeit in Südtiroler Speisekarten gehalten und mittlerweile auch einen Artikel dazu verfasst, der hoffentlich bald publiziert wird. Und nun beschäftige ich mich gemeinsam mit Eva Lavric von der Uni Innsbruck ein weiteres Mal mit dem Umgang mit unterschiedlichen Sprachen und Dialekten in Speisekarten. Dieses Mal allerdings nicht mehr ausschließlich auf Südtirol bezogen, sondern ausgeweitet auf Speisekarten im Rest von Italien, in Spanien, Frankreich, Deutschland und Österreich. Wir arbeiten mit einem ziemlich großen Corpus, aus dem wir mittlerweile schon Beispiele ausgesucht haben, die wir dann einer Analyse unterziehen. Wofür das Ganze? Für eine Tagung zur Mehrsprachigkeit ganz generell im Dezember 2020 in Zwickau, die schon im Juni diesen Jahres hätte stattfinden sollen und nun nochmals auf Juni 2021 verschoben wurde. Ich selbst werde an der Tagung dann nicht teilnehmen, da sie sich mit einem anderen Termin überschneidet. Allerdings wird bereits vor der Tagung ein Sammelband herausgegeben, für den Eva Lavric und ich einen Aufsatz zum Thema unseres Vortrags auf der Tagung (den dann Eva Lavric ohne mich halten wird) verfassen: „Mehrsprachigkeit in Speisekarten – mit und ohne Übersetzung“. In dem Beitrag wollen wir zum einen zeigen, wie in Speisekarten Speisebezeichnungen übersetzt werden, z.B. vom Deutschen ins Italienische und/oder Englische, und zum anderen, welche Sprachen in Speisebezeichnungen eingeswitcht werden, z.B. französische Termini wie „Crème brûlée“ in einem italienischen oder spanischen Speisenamen. Dabei geht es vor allem um zwei Fragen: Wie transparent sind solche Speisebezeichnungen? Und wie und wodurch (z.B. die Verwendung unterschiedlicher Sprachen, eines Dialekts oder spezifische Verweise, etwa auf einen Ort) werden Gerichte aufgewertet? In diesem Blogbeitrag möchte ich einige Beispiele aus dem Corpus für den Aufsatz auflisten und kurz besprechen.

Beginnen wir mit den Übersetzungen. Hier unterscheiden Eva Lavric und ich zwischen „treuen“ Übersetzungen, Kürzungen und Vereinfachungen, Hinzufügungen sowie traditionellen Gerichten. Als „treu“ könnte z.B. die Übersetzung der deutschen Speisebezeichnung „Hausgemachte Kamutbandnudeln / Datteltomaten / Babyspinat / Black Tiger Garnelen“ ins Italienische „Pappardelle al Kamut fatti a mano / datterini / spinacino / gamberi Black Tiger“ bezeichnet werden. Wobei, wenn man es ganz genau nimmt, dann handelt es sich beim Ausdruck „fatti a mano“ im Italienischen nicht um eine 1:1-Übersetzung des deutschen Ausdrucks „hausgemacht“, sondern um eine leichte Abwandlung (dt. „hausgemacht“ = it. „fatto in casa“). Daneben wird in Übersetzungen auch gerne gekürzt bzw. vereinfacht: So wird etwa dt. „Weißes Schokoladentürmchen“ zu ital. „Mousse di cioccolato bianco“. Die Art von Aufwertungsstrategie im Deutschen durch das Diminutiv „Türmchen“ entfällt im Italienischen und wird dort durch die einfache(re) Variante „Mousse“ ersetzt.

Im Gegensatz dazu werden bei Hinzufügungen in der italienischen und englischen Übersetzung mehr Informationen als in der deutschen Speisebezeichnung gegeben. Der deutsche Speisename „Wienerschnitzel vom Kalb mit Röstkartoffeln“ wird in der italienischen Bezeichnung durch „‚Wienerschnitzel‘ con patate saltate“ übernommen und mit dem Zusatz „cotoletta alla milanese di vitello“ ergänzt. Auch in der englischen Übersetzung wird der Name „Wienerschnitzel“ aus dem Deutschen übertragen und in Klammern durch „breaded veal cutlet“ erklärt. Das heißt, hier wird in den jeweiligen Übersetzungen erklärt, wie das Gericht zubereitet wird und damit dem Gast ein Bild davon gegeben, wie das Gericht sich dann vor ihm/ihr auf dem Teller präsentiert. Von jenen Gästen, die Deutsch sprechen, wird erwartet oder angenommen, dass sie wissen, wie ein Wienerschnitzel zubereitet wird. Der deutsche Speisename kommt ohne Erklärung aus, das Gericht wird als unter den deutschsprechenden Gästen als verbreitet und bekannt eingeschätzt.

Anders verhält es sich bei traditionellen Gerichten, die typisch für einen bestimmten Ort sind. Hier wird auch im Deutschen erklärt, wie das Gericht zubereitet wird, so etwa in „Hofstatt Alm’s Nudlpfandl“. Dieses Gericht wird sowohl in der deutschen als auch in der italienischen Version der Speisekarte mit den Ingredienzien angeführt: dt. „Tomaten, Zwiebel, Lauch, Bauernspeck, Kalbsragout, Pilze, Sahne“, it. „Pasta alla Malga Hofstatt: Pomodori, cipolla, porro, speck, ragout di vitello, funghi, panna“. Diese Bezeichnungen sind ein optimales Beispiel für Transparenz: Sowohl der deutsche als auch der italienische Gast kann nachvollziehen, wie das Gericht (hier: eine Spezialität des Hauses) aussieht bzw. aus welchen Ingredienzien es sich zusammensetzt.

Neben den Übersetzungen schauen Eva Lavric und ich uns in dem Artikel auch Codeswitching-Strategien an. Unter Codeswitching fallen Beispiele, in denen bekannte Internationalismen vorkommen, wie z.B. „Maccheroni“ in „Rammelstein Maccheroni“ oder „Crème brûlée“ in der Speisebezeichnung „Crème brûlée alla fava di Tonka“. Hierbei handelt es sich meistens um Zubereitungsarten bzw. deren Ergebnisse, die schon überall verbreitet sind, etwa „Crème brûlée“, oder auch „“Sauce“ oder „Risotto“. Daneben untersuchen wir Switches in Speisenamen in eine andere Sprache, da es in der Basissprache keine Entsprechung gibt. Zu solchen Switches kommt es beispielsweise durch die französischen Ausdrücke „purea“ (it., abgeleitet von purée) und „brioche“ in „Mattonella di fegato d’oca al tartufo nero, purea di mele golden, gelatina al porto e brioche tostata“; oder durch die japanischen Ausdrücke „Sushi“, „Nigiri“ und „Wasabi“ im Speisenamen „Sushi und Nigiri von der Gänseleber, mit Ingwer und Wasabi“. Zu finden sind auch Ausdrücke aus der indischen Küche, etwa „Tandoori“ (Tandoori Entenbrust), aus der spanischen Küche, etwa „Gazpacho“, oder auch aus der chinesischen Küche, etwa „Pak Choi“. In den Beispielen in unserem Corpus lässt sich vor allem ein Trend hin zu japanischen Ausdrücken feststellen.

Als weitere Unterkategorie von Codeswitching können Switches in eine andere Sprache aufgefasst werden, obwohl in der Ausgangssprache ein entsprechendes Wort vorhanden wäre. So findet sich z.B. in einer italienischen Speisekarte der Speisename „Cheese Cake – Pastiera“. „Cheese Cake“ könnte im Italienischen durch „Torta di ricotta“ übersetzt werden. Das Restaurant verzichtet hier allerdings auf eine Übersetzung in die Basissprache und verwendet den englischen Ausdruck als Strategie, um das Gericht aufzuwerten und es gegenüber anderen Gerichten in der eigenen Karte (oder auch in anderen Speisekarten) abzugrenzen. In deutschen Speisekarten wird gerne und oft die französische Bezeichnung „Consommé“ für dt. „Hühnerbrühe“ oder „Kraftbrühe“ verwendet. Französisch klingt hier wohl um einiges eleganter als Deutsch und wertet das Gericht als solches auf. Nicht zuletzt interessiert uns der Umgang mit regionalen Sprachen und Dialekten. Hier ist der Trend zu verzeichnen, dass einfache und banale Gerichte durch die Verwendung von dialektalen Ausdrücken aufgewertet werden. Allen voran im Spanischen, beispielsweise, wenn ein Gericht wie „Bohnen und Ei“ durch regionale Herkunft und regionalsprachliche Ausdrücke eine Aufwertung erfährt („Salteado de babatxikis y huevo Euskal Oiloa“). Aber auch in deutschen Speisekarten kommen solche Aufwertungsstrategien zum Einsatz, wenn z.B. von einer „Kasnocke“ oder von „Schlutzer“ die Rede ist.

Als erstes Fazit kann festgehalten werden, dass in den untersuchten Speisekarten vor allem ins Französische, Englische, Japanische und Italienische geswitcht wird. In den deutschen Speisekarten wird am meisten geswitcht, und zwar massiv ins Französische. Durch die Verwendung von französischen Fachausdrücken aus der Gastronomie werden Gerichte aufgewertet und bleiben auch transparent, da die meisten Begriffe aus der französischen Küche (etwa „Vinaigrette“, „Croûtons“) international verbreitet sind. Immer präsenter werden auch die Switches ins Englische, auch hier vermehrt in deutschen Speisekarten, allerdings sind englische Switches auch in italienischen Speisekarten auffällig. Englisch steht für Modernität und für Aufgeschlossenheit und wertet Gerichte durch Begriffe wie „Chips“, „Spare Ribs“ oder „Crumble“ auf.

Soviel zur Mehrsprachigkeit in Speisekarten. 🙂 Ich hoffe, ich konnte einen Einblick geben, wie mit unterschiedlichen Sprachen in Speisekarten umgegangen wird und was man daraus alles ablesen, einordnen und untersuchen kann. Vielleicht kann ich dem/r einen oder anderen Leser/in durch diesen Blogbeitrag auch Anstoß geben, fortan Speisekarten vielleicht mit anderen Augen zu betrachten, und zwar als – meist bemerkenswert akkurates – Produkt unseres immer stärker mehrsprachig werdenden Alltags…

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Punkt. Ende. Aus.

Ich kann es kaum glauben, aber diese Woche am Dienstag, 22. September 2020 um 17.51 Uhr habe ich den letzten Punkt in meiner Dissertation gemacht. Ich habe es bis heute noch nicht wirklich realisiert, dass es nun mit dem Schreiben und Produzieren (fast) zu Ende ist. Ich habe mit meinem Dissertationsprojekt im Juni 2015 begonnen, im Frühjahr 2016 die Videodaten bei Orchestern in Frankreich und Italien gesammelt und – soweit ich mich erinnern kann – ab 2017 intensiv an meiner Dissertation geschrieben mit einer mehr oder weniger größeren Unterbrechung von September 2017 bis Juni 2018, als ich als Französischlehrerin an einer Oberschule in Bozen unterrichtet habe. Und nun habe ich alles soweit fertig geschrieben, dass ich „nur“ noch Überarbeitungen und Korrekturen vornehmen muss und dann die Arbeit abgeben kann. 🙂 Okay, ganz so einfach ist dann auch wieder nicht, denn neben dem Überarbeiten fallen auch noch einige andere Dinge an:

  • Einleitung und Schluss mit meiner Zweitbetreuerin besprechen und evtl. nochmals erweitern und/oder umformulieren,
  • eine Liste an verwendeten Transkriptionskonventionen erstellen,
  • alle in der Arbeit verwendeten Transkripte sammeln und als Anhang einfügen,
  • die Danksagung verfassen,
  • alle bibliographischen Einträge mit dem Literaturverzeichnis abgleichen,
  • ein Gesamt-Dokument erstellen, das auch ein (automatisches) Abbildungs- und Tabellenverzeichnis beinhaltet.

Das heißt, es gibt noch einiges zu tun! Allerdings sind diese To-Do’s intellektuell nicht mehr so anstrengend, denn nun habe ich kein weißes Blatt mehr vor mir (außer bei der Danksagung, obwohl ich da auch schon gesammelt habe und nun alles noch in eine anschauliche Form bringen muss), sondern kann mit dem arbeiten, was ich bereits produziert habe. Deshalb ist dieser vorläufige Abschluss bereits wie ein kleiner Meilenstein, den ich gerne hier auf meinem Blog festhalten möchte. Geplant wäre, die fertige Dissertation Anfang November einzureichen, dann dauert es ca. zwei Monate bis die Gutachten dazu erstellt sind und Anfang nächsten Jahres sollte es dann soweit sein, dass ich meine Arbeit verteidige bzw. in einer halbstündigen Präsentation nochmals vorstelle und damit das Doktorat abschließe.

Und was mache ich dann? 😉 Diese Frage hat mir am Dienstag bereits mein Freund gestellt bzw. meinte er zu mir: „Dann hast du ja nichts mehr zu tun“. Dazu kann ich nur sagen, dass die Arbeit nie/nicht aufhört. Zwar wird viel wegfallen, wenn ich nicht mehr mit meiner Dissertation beschäftigt bin, allerdings sollte das Ziel sein, die Dissertation bei einem Verlag zu veröffentlichen, was ja auch wieder mit Arbeit verbunden ist. Denn das bedeutet, dass ich einen geeigneten Verlag finden, mich um finanzielle Mittel kümmern und höchstwahrscheinlich auch die gesamte Doktorarbeit nochmals umformatieren und an die Vorgaben des Verlags anpassen muss. Außerdem habe ich jetzt für den Herbst auch bereits einige Projekte geplant:

  • die Teilnahme an einer Datensitzung in Innsbruck mit Videodaten aus einem Kammermusikunterricht am Konservatorium Bozen, wo ich auch selbst als Klarinettistin mitwirke,
  • die Vorbereitung von zwei Präsentationen für eine Tagung im Dezember in Zwickau (darüber habe ich bereits im Beitrag „I’m back!“ berichtet),
  • das Verfassen einer Rezension zu einem Buch über Proben-Prozesse,
  • sowie das Schreiben von neuen wissenschaftlichen Aufsätzen und die Überarbeitung von bereits verfassten, kurz vor der Veröffentlichung stehenden Artikeln.

In nächster Zeit wird mir also sicherlich nicht langweilig! Im Gegenteil, ich freue mich auf neue Herausforderungen, neue Themen, neue Aufgaben und auch darauf, meine Dissertation im November als gedrucktes Exemplar (endlich!) in den Händen zu halten. Stay tuned! 🙂

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How to: Wie schreibe ich meine Dissertation?

Hier auf meinem Blog habe ich bereits einige Eindrücke davon geteilt, wie das Arbeiten und Schreiben an meiner Doktorarbeit bzw. Dissertation aussieht. Allerdings hat mich noch nie jemand gefragt, was es genau bedeutet, eine Doktorarbeit zu schreiben. Fragen wie Was machst du den ganzen Tag? Wie sehen deine Arbeitsschritte aus? Wie bringst du die Gedanken und Ideen, die in deinem Kopf herumschwirren, zu Blatt? wurden mir bis jetzt noch nicht gestellt. Auf diese Fragen möchte ich in diesem Blogbeitrag eingehen. Das heißt, ich werde meinen Arbeitsalltag in kleine Abschnitte aufbröseln und damit aufzeigen, wie man – oder ich – eine Doktorarbeit schreibt(e).

Mein Tag am PC beginnt eigentlich immer bereits am Tag vorher, wenn ich meine To-Do’s für den nächsten Tag abstecke. Ich führe eine To-Do-Liste, die ich wöchentlich plane und dann Tag für Tag einzelne Aufgaben darin auswähle. Das heißt, am Freitag vorher plane ich meine To-Do’s für die Woche darauf und weiß dann meistens schon, welche Aufgaben ich am Montag abarbeiten werde. Am Montag nach getaner Arbeit überlege ich mir, was ich am Dienstag erledigen kann usw. Für heute habe ich mir beispielsweise vorgenommen, einen neuen Blogbeitrag zu verfassen, an einem Kapitel zur Erforschung der Kommunikation an Orchesterproben weiterzuarbeiten und einen Teil eines Corpus mit italienischen Speisekarten zu erstellen, das Eva Lavric und ich für unseren gemeinsamen Vortrag über Mehrsprachigkeit in Speisekarten im Dezember in Zwickau benötigen (siehe auch den Blogbeitrag I’m back!).

Sobald ich mit dem Schreiben dieses Beitrags hier auf meinem Blog fertig bin, werde ich mich mit dem Kapitel zur Kommunikation in Orchesterproben auseinandersetzen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von bereits bestehenden, relevanten Studien, die sich damit beschäftigen, wie in der Orchesterprobe kommuniziert wird. Für einen solchen Literaturüberblick muss zunächst einmal relevante Literatur gesucht und gesichtet werden. Das heißt, dieser erste Prozess ist mit sehr viel Recherchieren, Lesen, Überfliegen, Markieren und Notizen machen verbunden. Hier entstehen kurze Mini-Rezensionen in Stichworten über die Aufsätze und Studien, die dann in einem zweiten Schritt in eine nachvollziehbare Reihenfolge gebracht und in einem dritten Schritt zu einem Text verarbeitet werden müssen. Den ersten Schritt habe ich bereits letzte Woche abgeschlossen, also geht es heute in die zweite Runde, in der ich meine Stichworte in eine Form bringe und daraus einen Text konzipiere. Mit diesem Kapitel werde ich mich dann nicht nur heute, sondern auch noch in den nächsten Tagen beschäftigen.

Solche Kapitel schreiben sich relativ leicht und schnell, wohingegen Abschnitte, in denen es darum geht, das Videomaterial aus den Orchesterproben zu transkribieren und zu analysieren, (viel) mehr Zeit und Energie in Anspruch nehmen. Wenn ich z.B. einen Videoausschnitt analysieren möchte, dann grenze ich zuallererst ab, wie lang er sein soll bzw. von wo bis wo in der Aufnahme ich transkribieren werde. Mit dem von mir verwendeten Transkriptionsprogramm (ELAN) kann ich solche Segmente auswählen und markieren und dann auch mehrmals abspielen. Habe ich einen Abschnitt ausgewählt, so transkribiere ich in einem ersten Schritt nur das, was gesagt wird – oder im Fall der Orchesterprobe, was der/die Dirigent/in sagt. Dafür stelle ich mir die Geschwindigkeit auf die Hälfte ein und teile den Abschnitt nochmals in kleinere Segmente, die ich mir wiederholt anhöre und dabei das Verbale notiere. Dazu gehören auch gesangliche Passagen, Pausen, Versprecher, hörbares Ein- und Ausatmen, prosodische Hervorhebungen, Akzente sowie Änderungen in der Satzintonation. Also alles, was aus dem Mund des/der Dirigenten/in herauskommt. In einem zweiten Schritt kommt alles Nonverbale dran: Ich vermerke, was der/die Dirigent/in mit seinen/ihren Händen/Armen macht, welche Gesichtsausdrücke er/sie einsetzt, in welche Richtung er/sie sich beispielsweise mit seinem/ihrem Oberkörper dreht, wenn er/sie mit einer bestimmten Instrumentengruppe spricht und wohin er/sie blickt (z.B. auf die Partitur oder zum Orchester). Alle diese Teile gemeinsam bilden dann das Transkript zum Videoausschnitt.

Wenn ich das fertige Transkript vor mir habe, gehe ich es Zeile für Zeile durch und halte in Stichworten meine Beobachtungen fest. Da kann z.B. geschrieben stehen: „Z03: Dirigent lokalisiert Stelle X in der Partitur, blickt auf Partitur und hält rechten Zeigefinger ausgestreckt in die Richtung der Hörner“. Ausgehend von diesen stichwortartigen Feststellungen verfasse ich eine Analyse zum Transkript. Am Ende einer jeden Analyse halte ich die daraus resultierenden, wichtigsten Erkenntnisse fest und setze sie in einen Zusammenhang zum nächsten Beispiel bzw. zum darauffolgenden Transkript inkl. Analyse. Beim nächsten Beispiel gehe ich in derselben Art und Weise vor, bis ich – meiner Ansicht nach – genug Beispiele für ein bestimmtes Phänomen, wie z.B. Lokalisieren in Orchesterproben, gesammelt und analysiert habe.

So kann man sich in etwa vorstellen, was ich den ganzen Tag mache und wie ich meine Gedanken zu Papier bringe. Dabei vergeht die Zeit meistens wie im Flug und mein Arbeitstag ist schneller zu Ende als gedacht. Bevor ich meinen PC wieder ausschalte, aktualisiere ich meine To-Do Liste für den nächsten Tag und plane ein, für welche Aufgaben ich dann Zeit haben werde. Wenn ich untertags auf einen interessanten Aufsatz stoße oder mir einfällt, dass ich diesen oder jenen Artikel vielleicht noch lesen sollte, um evtl. auch einen anderen Blick auf meine Daten und auf meine Analysen zu bekommen, so drucke ich ihn mir aus und nehme ihn mir als Abend- oder Bettlektüre mit nach Hause. Beim Lesen markiere ich mir dann jene Stellen, die ich tags darauf, wenn ich wieder an meiner Dissertation sitze, gegebenenfalls hier und da noch einbauen bzw. einen Verweis dazu herstellen kann. So endet mein Arbeitstag… manchmal nehme ich ein Stück weit meiner Doktorarbeit auch mit bis in die Nacht, wenn ich irgendwann aufwache und mir Ideen in den Kopf schießen, die meistens die besten und kreativsten sind, und die ich mir zum Glück auch in den allermeisten Fällen bis zum nächsten Tag merken kann… 😉

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